Das Teehaus

„Für das freistehende Teehaus (Chashitsu oder Sukiya), das getrennt vom eigentlichen Wohnhause errichtet ist, geben wir ein vollständiges Beispiel von etwas reicherer Ausführung … Der Hauptraum, der der Abhaltung des Teezeremoniells selbst dient, enthält drei Matten nebeneinander, mit der Feuerstelle, dem in den Fußboden eingelassenen Ro, das wir früher unter der Form des Kotatsu beim Hausbau Japans bereits kennengelernt haben; an einer Seite liegt das, wie stets üblich, etwas erhöhte Tokonoma. Dieser Hauptraum wird von den Gästen, deren Anzahl kaum mehr wie drei betragen kann, mittels einer niedrigen, vorn rechts angeordneten Schlupftür betreten, die sich durch Verschieben nach links öffnen läßt. An der Eingangsseite befindet sich neben dem Hauptraume ein durch eine Schiebetür – Shoji – von gewöhnlicher Abmessung abgeteilter Raum von nur einer Matte, durch den der Zeremonienmeister seinen Weg nach und von der Teeküche, Mizuya, zu nehmen pflegt. Auf der andern Seite des Hauptraumes liegt noch ein kleiner Raum mit einem an der Decke aufgehängten mehrteiligen Wandgefach; dieser Raum wird durch die sogenannte Ome-Matte ausgefüllt, das ist eine Matte von etwas eingeschränkter Längenabmessung, wie sie bei fast jedem Chashitsu vorzukommen pflegt. (Ome heißt wörtlich „großes Auge.“) Zwischen diesem und dem Hauptraume befindet sich die sogenannte „Mittelsäule,“ Nakabashira, die in ihrem unteren Teile völlig frei steht, und zu der man meist einen eigentümlich gewachsenen, möglichst knorrigen oder sonst absonderlich geformten Baumstamm zu verwenden pflegt. In der äusseren Ecke des Hauses, zur Seite neben dem Eingange für die Gäste, ist oben das Schwertgestell, Katana-Kake, zum Ablegen der Schwerter, deren jeder Edelmann der alten Feudalzeit bekanntlich stets zwei bei sich führte.

Die Teeküche mit der Waschbank befindet sich im vorliegenden Beispiele hinter derTokonoma-Nische, seitwärts neben der gedielten, vorn offenen Veranda, Yengawa, die diese Seite des Häuschens abschließt. In der Teeküche, in der allzeit die peinlichste Ordnung und Sauberkeit herrschen muß, sind eine Anzahl eiserner oder Bambus-Nägel und -Haken und hölzerner Wandborde zum Unterbringen des erforderlichen Teegeschirrs, sowie zum Aufhängen der zahlreichen Geräte angebracht, die beim Abwaschen und Vorbereiten des Teegeschirrs und zum Reinigen der Räume Verwendung finden; der Fußboden ist gewöhnlich durch dünne Bambusstäbe gebildet, zwischen denen das verbrauchte Wasser leicht ablaufen kann.

[Innenausstattung:] Die Innenwände sind in ihrem unteren Teile meist mit hellfarbigem Papier bespannt, so daß ein lichter Sockelstreifen, Koshi-bari genannt, d. h. wörtlich „Lendenputz,“ entsteht, während die darüber befindlichen glatt geputzten Wandflächen grau, gelb, grünlich oder hellbraun gestrichen sind. Sowohl für die äusseren als auch für die inneren Ansichten springt die überall zur Geltung kommende absichtliche Unsymmetrie und eine gewisse Willkür in der architektonischen Gestaltung ins Auge, die meines Erachtens der reizvollen Wirkung des Ganzen keinesfalls Abbruch tut. Die in chinesischen Schriftzeichen ausgeführte Inschrift auf dem oberen Wandbrette deutet „Zufriedenheit“ und dürfte bezeichnend sein für den philosophischen Sinn, der dem ganzen Teezeremoniell zugrunde liegt.

[Garten:] Die aufgeführten Baulichkeiten sind in den kunstgerecht angelegten Gärten für das Teezeremoniell untereinander stets durch schmale, mit grossen glatten Felssteinen belegte Fußpfade verbunden, auf denen man auch bei nassem Wetter sich einigermassen trockenen Fußes bewegen kann. Diese Fußpfade sind, den früher erwähnten Grundsätzen des japanischen Gartenbaus entsprechend, mit anmutigen Krümmungen angelegt und führen an Baum- und Felsgruppen und einigen der nie fehlenden Steinlaternen vorbei, die in der grossen Mannigfaltigkeit ihrer architektonischen Formen einen besonders reizvollen Schmuck des japanischen Teegartens bieten.

Der Zierabort des Innengartens war ursprünglich für den ausschließlichen Gebrauch einer besonders vornehmen, hochgestellten Persönlichkeit unter den Gästen bestimmt, dient aber nach gegenwärtigem Brauche nicht mehr diesem Nutzzweck, sondern wird ausschließlich als eine Art Zierbau für den Garten errichtet und angesehen. Daß ein Abort um seiner selbst willen als ein bauliches Ziermotiv verwendet wird, erscheint allerdings für unsere abendländischen Empfindungen etwas absonderlich und ist wohl nur zu verstehen, wenn man sich die erwähnte geschichtliche Entstehung dieses Brauchs ins Gedächtnis zurückruft.

Baltzer, Franz; Das japanische Haus; 1903, S. 67-70.

teehaus-beispiele

Schwarz-weiß Aufnahme eines Teeraums, mit den üblichen Utemsilien.
Der Tee-Übungsraum des Kobe College, einer höheren Mädchenschule (ca. 1932).

Blick auf das Tokonoma (mit Rollbild). Eingelassen im Tatamiboden im Vordergrund ist das abgedeckte Feuerbecken. Rechts traditionell papierbespannte Schiebetür/fenster.
Der Tee-Raum, mit biwadoko, des in der frühen Shōwa-Ära gebauten Unryuken im tokioter Bunko-ku (zur Mushakōji-Senke). Nebenan steht das ältere Häuschen Hanshōan.

Die meisten wirklich berühmten, klassischen Teehäuser sind Teil von Rinzai-Tempeln und Palästen. Erste kleine „Grashütten“ (soan) bauten allerdings wohlhabende Händler in Sakai bereits im frühen 15. Jahrhundert in den Bereichen hinter ihren doch sehr beengten Stadthäusern.

Roji (露地), deutsch „taubedeckter Boden,“ ist die Bezeichnung für die speziell um/für Teehäuser errichteten Gartenanlagen (Gartenbautheorie als solche war den Japanern dieser Zeit nicht fremd. Die theoretische Grundlage einer kosmozentrischen Anlage findet sich schon um 1050 im Sakuteiki, das Tachibana no Toshitsuna's (1028-94, 橘俊綱) zugeschrieben wird. (dt. Takei Jirō; Sakuteiki oder die Kunst des japanischen Gartens; 2004; ISBN 9783800144969.) und den speziell angelegten Pfad hindurch. Kenner sehen an der Zahl der Gehwegplatten, ob es sich um einen Pfad der „Senke“ oder der „Oribe“ handelt. Eventuelle Moosflächen sollten keinesfalls betreten werden. Ausgestaltung des Roji-Konzepts samt zugehöriger spezieller Steinlaterne, Oribe-dōrō, geht auf Sen's Nachfolger, als Teemeister des Shōguns Hidetada, Furuta Oribe (1544-1615), einem Daimyō, zurück. Nach ihm ist auch ein Keramikstil (織部焼) benannt. (Oribe wiederum hatte unter seinen Schülern Kobori Enshū, 1579-1647, und Honami Kōetsu einen der vielseitigsten Künstler seiner Zeit.) Furatas Konzept des „Geschmacks“ (suki) wurde später von Sen Sotan (1578-1658) mit dem Ideen seines Großvaters über das nüchternere wabi zum dominierenden Teestil vereinigt.

  • Der „Vater aller Teeräume“ ist der Dōjinsai (同仁斎) in der Tōgu-dō (東求堂) des Gingaku-ji, (銀閣寺, offiziell Jishō-ji 慈照寺 welcher ab 1482 als Ruhesitz für Ashikaga Yoshimasa gebaut wurde.
  • Im kyotoer Kōdai-ji (高台寺) sind das Iho-an des reichen Kaufmanns Haiya Shoeki und das Onigawara-Seki genannte Häuschen.
  • Nur nach Anmeldung beim kaiserlichen Hofamt zugänglich sind die Gärten der kaiserlichen Villa Katsura-rikyū. (桂離宮) In diesen befinden sich das Gepparō (月波楼), Shōka-tei (賞花亭), Shōkin-tei (松琴亭), das im Stile des Teemeisters Kobori Enshū (1579–1647) erbaut ist sowie das formal weniger strenge, größere Shōi-ken (笑意軒).
  • Im Hakusasonso-Garten (白沙村荘), mit seinen schönen Teichen ist das Isui-tei des Malers Hashimoto.
  • Exquisit klein ist der nur zwei Tatami große Teeraum des Tei-an (待庵) im Myōki-an von Yamazaki.
  • Auf dem Gelände des Gyokurin-in (玉林院 Teil des weitläufigen Daitoku-ji) sind zum einen das im nüchternen Wabi-Stil gehaltene San-an-Teehaus (蓑庵) entworfen von Kounoike Ryōei, in dem sich noch der Kasumidoko-seki-Teeraum (霞床席) befindet sowie im angrenzenden Jukō-Tempel der Kan'in-no-seki-Teeraum (閑隠席), errichtet 1566 von Miyoshi Yoshitsugu.
  • Im Nara-ken ist das Jikō-in (慈光院) erbaut von Katagiri Iwaminokami Sadamasa, Gründer der Sekishu-Teeschule, zum Andenken an seinen Vater Katagiri Sadataka.
  • Toyotomi Hideyoshi ließ für repräsentative Teezeremonien den transportablen, weitgehend vergoldeten Ōgon no chashitsu (黄金の茶室) schaffen, der 1586 bei seiner Amteinführung als Kampaku erstmals dokumentarisch erwähnt ist. Er kam auch im Jahr darauf bei der großen Kintano-Teemeisterversammlung (北野大茶湯) zum Einsatz. Das Original existiert nicht mehr, es gibt jedoch mindestens fünf mehr oder weniger authentische Nachbauten.
  • Erst 1779 gebaut wurde das Meimei-an (明々庵) für den Daimyō Matsudaira Harusato (松平治郷, 1751–1818) in Matsue. Er entwickelte seine eigene Art der Teezeremonie, die Fumai-ryū (不昧流; = Fumai-ko). Seit 1966 befindet sich das Häuschen wieder in Matsue.
  • Masuda Takashi (益田孝, 1848-1938), Gründungspräsident von ''Mitsui Bussan,'' 1876, galt zu Lebzeiten als einer der bedeutendensten Teemeister; die Tradition pflegte er gerne mit dem Präsidenten der Mitsukoshi-Kaufhauskette. Mit einigen anderen an der Erhaltung der Teezeremonie interesssierten Geschäftsleuten gründete er 1895 das Daishikai. Zusammen mit den beiden nachgenannten gilt Masuda als einer der „drei Teemeister von Odawara.“ (小田原三茶人. Der Ausdruck wurde erst 1988 durch eine Ausstellung im Museum von Odawara geprägt.) In seiner Residenz Suzumigai (掃雲台 im Ortsteil Itabashi 板橋. Er wohnte hier nachdem er 1914 in Ruhestand ging. Von dem rund 90 Hektar großen Afnwesen haben sich keine Bauten erhalten.) erbaute er 1906 sein Teehaus. Ebenso im Ort baute 1918 der Chef (野崎廣太 genannt 野崎幻庵) der Zeitung ''Nagasaki Shimpo'' (中外商業新報) in seinem Ruhesitz ein Teehaus. Dessen Familienmitglieder verstarben ohne Erben 1938-40, die Anlagen verfielen. Ab 1946 pflegte Shōka Tei (松下亭 später 老欅荘 Rōkyosō) bis zu seinem Tode 1971 die Tradition wieder. Dessen Wohn- bzw. Teehaus ist heute Museum. Auch Nozaki's Teehaus (葉雨庵) hat man dort wieder aufgebaut.
  • Ursprünglich auf Verlangen von Tokugawa Iemitsu im kyotoer Nijō-Schoß errichtet wurde die Chōshūkaku-Hütte vom Teemeister Sakuma Sōgen. Zunächst an Madame Kasuga vererbt, wurde der Bau mehrmals verlegt. Letztendlich gelangte er während der Taishō-Ära in den Besitz des Seidenhändler Hara Sankei (= 原富太郎), der ihn in seinem Garten (三溪園) in Yokohama aufstellen ließ. Dorthin verbrachte man auch das Shunsōro (春草廬), das Oda Nagamasu (織田長益, 1548-1622; auch bekannt als Gengorō, Yūraku (有楽) bzw. Urakusai (有楽斎), Teename: Sōshō I.; 1588 als Johannes getauft. Jüngerer Bruder des Oda Nobunaga, Meisterschüler Rikyū's. Der von ihm begründetet Teeweg war die Sansai Uraku-ryū.) zugeschrieben wird. Es wurde 1922 erweitert.
  • Das tokioter Shunsōro, ursprünglich erbaut als Hütte für den Händler Kawamura Zuigen (1618-1699) in Edo, hat eine kleine Odyssee hinter sich. Zunächst nach Osaka verbracht, gelangte es ebenfalls in den Sankai-en in Yokohama. An Matsunaga Yasuzaemon weiterverkauft stellte er es 1937 in Saitama im Garten seiner Yanase-Villa auf. Diese vermachte er 1948 komplett dem Nationalmuseum, das 1959 die Aufstellung des Teehauses auf seinem Gelände in Ueno veranlaßte. Bereits vor dem Krieg hatte dort das „Teehaus mit sechs Fenstern“ (Rokuso-an) gestanden. Es stammt aus dem Jigen'in des Kofuku-ji in Nara; erbaut im Stil des Kanamori Sowa (1584-1656). 1875 ging das transportiernde Schiff unter. Im Krieg abgebaut, Sept. 1947 wieder aufgestellt. Drei weitere Teehäuser im Park des Museums (Nur im Frühjahr, Mitte März bis Mitte Mai, und Spätherbst jeweils etwa sechs Wochen von 10-16 Uhr der Öffentlichkeit zugänglich.) sind: Okyokan, Kujōkan und Tengo-an. Letzteres Häuschen ist ebenfalls weitgereist. Ursprünglich erbaut in Rokujizo (Fushimi) von Kobori Enshū. Verlegt in den Jakko-ji in Kyoto erbte es Watanabe Kiyoshi, der es 1878 im Tokyo-Asabu aufstellen ließ. Es wurde vom Eigentümer der NYK-Reederei Mihara Shigeyoshi gekauft, gelangte dann an den Gründer des Pharmakonzerns Sankyō, Shiobara Matasaku. Dessen Witwe vermachte es 1963 dem Museum.
  • Der Hakko-an (八窓庵) stand ursprünglich in der Burg von Nagahama. In der frühen Meiji-Ära in den Engyū-ji (円教寺) des Dorfes Kawasaki verlegt. 1919 an den Geschäftsmann Mochida Keisuke verkauft und 1925 in dessen Residenz in Sapporo aufgestellt. Seit 1936 Nationalschatz. 1971 von der Stadt in den Nakajima-Park verlegt. Das für den Winter errichtete Schutzdach brach im März 2005 unter Schneelast zusammen. Die Restaurierung wurde im Oktober 2008 abgeschlossen.
  • Die Vorbilder japanischer Teehäuser sind seit langem die Zentren der Urasenke und Omotesenke; z. B. beim Ninna-ji (仁和寺) in Kyoto, der zugleich Sitz der Omuro-Schule des Ikebana ist. (Auf dem Tempelgelände befinden sich das Ryokaku-tei sowie das in den 1790ern gebaute Hito-tei, die jeweils von Gruppen ab 5 Personen nach Voranmeldung gegen Gebühr besichtigt werden können.
    Nahe beieinander gibt es das Museum des Chadō Research Center (茶道総合資料館) samt angeschlossener Spezialbibliothek.
  • Keine fünfzig Meter weiter ist das Omotesenke Senke-kaikan (表千家 千家会館). Das Grundstück der Omote-senke betritt man durch ein Tor im Stil eines Daimyōhauses der Tokugawa-Ära. Hinter diesem ist ein von knapp zwei Meter hohen Hecken umsäumter Vorhof. Erst durch das kleine Roji-mon gelangt man in den eigentlichen Garten. Der auf dem Gelände dieser Schule ursprünglich stehende Fushin-an (Der Name ist hergeleitet vom Zenvers 不審花開今日春, Fushin hana hiraku konnichi no haru, Geheimnisvoll öffnen sich die Blüten - heute ein Frühlingstag. Von Sen zuerst nur 1½ Tatmi groß gebaut, auf Wunsch Hideyoshis vergrößert zu 2¾.) brannte 1788 ab. Er wurde erst 1913 wiedererbaut (Zangetsu-tei).
  • Lediglich kurz hingewiesen werden kann auf die nach dem Krieg geschaffenen Teeräume moderner Architekten wie Fujimori Terunobu, (*1946; vgl. Fujimori Terunobu no chashitsugaku, 2012 藤森照信の茶室学 日本の極小空間の謎, ISBN 9784897377049) die manieristischen Bauten des Shirai Seiichi (1905-83 白井晟一) mit seinen ungewöhnlichen Fensterformen oder Kuma Kengo (*1954; 隈研吾. Dabei muß man nicht unbedingt der Ansicht sein, daß Objekte wie das im Juli 2007 am Schaumainkai 17 in Frankfurt aufgestellte 32 m² große „Teehaus“ ein solches ist. Es sieht eher aus wie eine aus weißem Luftmatratzenplastik geschaffene, erdnußförmige Blase. Weiteres auf: kkaa.co.jp) der eher Kunst mit unüblichen Materialien schaffen will.

(Zum Vergrößern und für Erläuterungen anklicken.)

„Das wesentlichste Element bei der Gestaltung des Grund- und Aufrisses ist die Tatami. Tatami heißen die Matten, die den Fußboden der Zimmer völlig bedecken.
Die Tatami besteht aus einem Mattenbett aus gepreßtem Reisstroh von 4[-6] cm Dicke und einer darüber gepannten Binsenmatte. Die Binsenmatte ist so gewoben, daß schmale Parallelstreifen entstehen. Diese derart gewobenen Streifen werden Me genannt. Sie dienen als Maßstäbe beim Aufstellen der Geräte für die Teezeremonie. Die Matte hat das seit Jahrhunderten genormte Maß von sechs mal drei Fuß und ist an der Längsseite von einer schwarzen Borte eingefaßt. Dadurch, daß die Längsseite der einen Matte an die Querseite der anderen gelegt wird, entsteht eine rhythmische Abwechslung in der Gliederung des Fußbodens.“

Beim Kusari no ma (鎖の間) handelte es sich um einen im 16. Jahrundert üblichen Nebenraum eines Teehauses in dem Speisen vorbereitet wurden, solches erfolgt heute in der Spülküche Mizuya (水屋).

grundrissbeispiele

Grundrissbeispiele für Teehäuser.

1) Feuerstelle; 2) Tokonoma; 3) Innerer Pfosten; 4) Nijiri-guchi; 5) Gästeeingang mit gewöhnlichen Schiebetüren; 6) Wirtseingang (für Teemeister/in); 7) Zwischenbretter; 8) Dōkō.

Sehr anschaulich formuliert ist die räumliche Gestaltung :

physique of the tearoom

As much as Zen Buddhism has fostered the ceremonial drinking of tea and has given depth and spiritual esteem to the tea cult, as much has Zen permeated and spiritualized the physique of the tearoom. The first architectural measure toward an independent space for exercising the tea serving was the partitioning of a space called kakoi (en­closure) within a main room through portable screens. The name kakoi later came to designate those tearooms that are integrated or physically attached to the main house.

Partitioned space, thereafter, became enclosed space, and it was Sen-no-Rikyū who created the independent tea hut, sukiya the “abode of fancy.” This was usually a detached, hermitage-style structure called soan, available mainly to the wealthy classes.

Its forms were so unique that a new architectural style was initiated, the sukiya style, but its thorough investigation is beyond the scope of this paper. Instead, the analysis will concern itself only with the spatial and expressional features in the tearoom (kakoi, cha-shitsu) that were incorporated into the houses of the common people.

The dimensions of the space for the classic tearoom, as elaborated by Shōō [Takeno Jōō], a tea master of the 16th century, are determined by an area covered with 4½ mats, which is a square room of about 2700 mm width. This size is said to be sym­bolically linked with the room in which a legendary Buddhist figure welcomed a saint (Gemeint ist „Vimalakīrti’s 10-Ellen Haus.“ 方丈 fāngzhàng. Ausführlich in ; ; Buddhistische Tempel in China Norderstedt (BoD); Bd. I, S. 173-6; ISBN 978-3-7448-7270-6) and 84000 disciples of Buddha as a manifestation that conceptual limitations such as space do not exist for the truly enlightened.

Yet, in the world of material reality, the classic 4½-mat tearoom is dimensioned to accommodate not more than five per­sons. The interior features of the tearoom aim at suggesting the atmosphere of a far­ away farmhouse with its remoteness, poverty, humbleness, simplicity, and semidark­ ness, and many motifs have, therefore, been taken directly from the old farmhouse. However, what set out as an aestheticism that attempted to uncover the humanistic and artistic values of poverty gradually became an aestheticism of poverty's forms and features alone, to a degree that it no longer had anything in common with the very real and direct poverty of the farmers and general public. Thus, in their wish to manifest solidarity with poverty, the wealthy class engaged the best craftsmen, used the most exquisite material, employed the most elaborate techniques, prepared the most costly tea, served with most precious utensils, and wore the most expensive clothes, thus making the teahouse and tea drinking an elaborate and very costly art­ a paradoxical attitude, indeed, in an aestheticism that claims to be an appreciation of the values in poverty. Only, when the tearoom was adopted into the houses of the commoners was the discrepancy of the tea's existence solved, and tea became the very humble cognizance of the reward and value of poverty, not only in its physical manifestation as tearoom but also in its symbolic performance as tea serving.

In contrast to the openness of all living rooms in the Japanese house, the tearoom, as created by Sen-no-Rikyū, is a hermitage, enclosed on all four sides by solid clay walls of a particular rough, earthen texture, with no visible attempt to compensate for tmevenness in the handicraft technique . The lower part is pasted with gray or white paper, koshi-bari, to a height of about 300-450 mm. The leaves of old letters are also frequently used to create a feeling of insufficiency. While in the ordinary rooms of the Japanese residence the functions for door, window, and partition are performed as a rule by identical sliding units, shōji and fusuma in the tearoom these functions are given separate treatment. There is even a distinction made between the window which provides light and that which permits a limited view to the garden, in case the latter exists at all. For, frequently its function may be fulfilled by the low entry through which the guests crawl while entering from the garden. Also, the entrance, direct from the house interior or indirect from the veranda or the tea kitchenette, is clearly marked by a frameless sliding panel pasted with white opaque paper and is thus in physical contrast to the dark-colored clay wall. Frequently, a third entrance from the house interior is provided, differentiating the entries for tea serving and meal serving. Another difference from the ordinary living room is the use of logs in their natural shape as columns. The frieze rail, nageshi, in the tea cult's con­tinuous attempt at simplification, is also absent, as is the clerestory window for ventila­tion, ramma.

The forms of windows vary individually, yet, certain conventional forms that effect a certain uniformity for these wall openings have developed as well. Thus, for the illumination of the room a rectangular window with high sill, taka-mado, is used. It is furnished with translucent paper panels and usually receives a bamboo lathwork on the outside, in which case the window is called renji-mado. Equally common is the clay-wall window, shitaji-mado, which, though not being submitted to formalistic rules, is preferred in a circular shape or as a rectangle with the corners cut off or rounded. It is said that this motif has been taken from the old farmhouse, where ventilation was provided by simply laying bare the bamboo skeleton of the wall from its wall clay. Though the positioning of the windows appears rather free, it again follows certain principles that allow no arbitrary measures. One of them is that the place of the host is effectively illuminated so that the guests can properly observe the host's art of preparing tea. Another is that the recess with the hanging picture scroll receives sufficient light. Frequently the light is tempered by bamboo curtains attached to the windows from the outside, which in the latter part of the tea gathering, are removed, thus creating an entirely different light condition that enriches the experience of “tea.”
The presence of the picture recess, tokonoma, in the tearoom indicates the strong relationship of "tea" with Zen Buddhism. For the Zen temple itself was but a college room for the monk students, with one wall slightly recessed to contain a Buddha statue or sacred picture, in front of which the monks held their discussions and meditational practices, burning a censer and drinking ceremonial tea. One may still find a censer in the tearoom next to the flower vase, a remnant of the original form of tokonoma. […]

The hearth, a square hole of 1.4 ⨉ 1.4 (also 1.3 ⨉ 1.3) shaku (430 ⨉ 430 mm) sunk into the floor, is located in a particular relationship to the two entrances and to the picture recess; a consequence of the exacting rules of the tea-serving procedure. Here the water is heated in an iron kettle, which is frequently suspended from the ceiling by an iron chain. The ceiling is much lower than in ordinary rooms; it may have a pattern of bamboo wicker or of interwoven wooden strips and is divided with one part sloped, as if to suggest the underside of a roof or attic space. […]

In the classic tearoom of 4½ mats, the mats are arranged around the half mat in the middle, which contains the hearth. Each mat has its particular name that cor­responds with the procedure of tea serving. […]

The variety of room sizes, according to mat numbers, is enlarged by the use of a ¾ mat called ¾¾ which is liked very much because it creates an alcove owing to the shorter length of the mat. Even in rooms with only normal mats, this spatial effect of an alcove is purposefully produced by projecting a stub wall 300 ⨉ 600 mm into the room at the mat joint. This clay wall directly joins the hearth and is terminated with a natural round stem, naka-bashira, of frequently irregular shape which has a strong sculptural effect. Through this manipulation, a place for tea prep­aration of no more than 900 ⨉ 1350 mm is spatially, yet not visually, separated, allowing for an arrangement of shelves behind the stub wall without inter­fering with the simple austerity of the tearoom.

Regeln im Teehaus

Fukusabasami
Die Utensilien des „Gastes“ bei der Teezeremonie. Eingeschlagen in ein „Fukusabasami“ (袱紗挟み) sind (von oben): Servietten, „Kaishi“ (懐紙 ), ein (seidenes) Tuch „Fukasa“ (ggf. auch je ein Dashibukusa 出し帛紗 und Kobukusa 古帛紗) zum Schutz wertvoller Schalen usw., eine spitze „Gabel“ für die servierten Süßigkeiten (Yōji, 楊枝) und ein japanischer faltbarer Fächer „Senso“ (扇子).

Unabhängig von den nachstehenden Regeln nennt man gewisse Zeremonien jahreszeitenabhängig zu bestimmten Uhrzeiten anders, so die frühmorgendliche im Winter Akatsuki-no-chaji (暁の茶事, „Tagesnbruchs-Tee“) zur Dämmerung. Im Sommer findet um diese Uhrzeit Asa-cha (朝茶) statt. Mittags spricht man von der Shōgo-no-chaji (正午の茶事. Die übliche Teegesellschaft, um 12 Uhr beginnend mit leichtem Mittagsmahl. Im Sommer ist die Reihenfolge: seki-ire, kaiseki, shozumi, naka-dachi, go-iri, koi-cha, usu-cha. Winters: seki-ire, shozumi, kaiseki, naka-dachi, go-iri, koi-cha, gozumi, usu-cha. Bei einer schom 10 oder 11 Uhr beginnenden Veranstaltung wird der Tee vorgezogen, dann erst gegessen. Bei einer Hango gibt es nur Süßigkeiten.) In den wärmeren Monaten abends veranstaltet wird Yūzari-no-chaji; (夕ざりの茶事) während der kalten Jahreszeit (bei der Art des Kochens wird durchaus feinteilig unterschieden: im kalten Februar sitzt der Kessel auf dem großen Dairo, im März hängt man ihn darüber und im noch wärmeren April sitzt er auf querliegenden Hölzern, so daß der Raum weniger erwärmt wird) analog Yobanashi (夜咄, „Abendplauderei“). Japaner mögen für verschiedenste Angelegenheiten eine „offizielle“ Saison. Der erste Gebrauch des tragbaren Kohlebeckens läutet das „neue Jahr der Teezeremonie“ ein, die Veranstaltung bei der dieses Beckens verwendet wird (meist im Mai) nennt sich Shoburo (初風炉). Ebenfalls spezieller Anlaß ist das Öffnen des Behälters mit dem neuen, im Frühjahr geernteten Tee im November Kuchikiri-no-chaji. (口切の茶事) Auch zelebriert man die Verwendung der letzen Reste des vorjährigen Tees gegen Ende Oktober, bevor die kalte Jahreszeit beginnt. Man spricht hierbei von Nagori-no-chaji. (名残の茶事) Die Einweihung eines neuen Teekessels heißt Hatsugama (初釜).

„Hausordnung“ vom 14. Okt. 1592 im Teehaus Rojishoka-dō, von Nambō Sōkei (南坊宗啓) – einem direkten Rikyū-Schüler und buddhistischen Mönch im Nanshū-ji (南宗寺) von Sakai (Osaka). Bekannt ist sein Hauptwerk Nampōroku, in dem er die Lehren seines Meisters gesammelt hat.1 Die heutige Teewegsschule Nambō Ryū basiert auf den Lehren dieses Buches; sie gilt als etwas „demokratischer“ als andere Zweige. Wichtigste Veranstaltungen sind die Kencha-Zeremonie im Kushida-Schrein (櫛田神社, im Juli) in Hakata und im elften Monat die Kucha-Zeremonie im Tōrinji (Hakata-Ekimae, 3 Chome).

(Übersetzung in: moag,, 1873, Heft 6, S. 43f.; Rechtschreibung modernisiert.)

Teehaus des Nanshūji links im Hintergrund, teilweise verdeckt von einer geschnittenen Hecke mit einer japanisch gärtnerisch bearbeitetn Kiefer. Rechter Hand das vorne offene Wartehäuschen vor Gäste mit einer Sitzbank. Zu diesem führt eine Reiche unregelmäßig verlegter Gehwegplatten. Hier auch ein weißes Informationsschild mit japanischer Schrift.
Das Teehaus des Nanshūji (南宗寺) von Sakai im Jahre 2013.
  1. ) Sobald die Geladenen sämtlich auf der Bank (vor dem Hause) Platz genommen, kündigen sie sich durch Schläge auf das Han (ein viereckiges Brett mit einem Klopfer) an.
  2. ) Wichtig ist hierbei (bei Betretung dieses Pfades) nicht nur Reinheit des Gesichts und der Hände, sondern hauptsächlich Reinheit des Herzens.
  3. ) Der Wirt muß selbst den Gästen entgegengehn und sie einführen. Sind weil der Wirt arm ist, Tee und Tisch-Geräte unzureichend und die Speisen unschmackhaft so kann jeder sowie auch in dem Fall, daß ihm das natürliche Aussehn (die Wildheit) der Bäume und Felsen des Roji nicht gefällt, sofort wieder weggehn.
  4. ) Sobald das Wasser, wie der Wind- in den Föhren zischt, und die Glocke tönt kommen die Gäste wiederum herbei, denn übel wäre es den richtigen Augenblick beim Wasser und Tür zu vergessen.
  5. ) Es ist seit Alters untersagt weder in, noch ausser dem Hause über irgend etwas Weltliches zu sprechen (dazu gehören alle politischen Gepräche und namentlich Skandal-Geschichten; der einzige Gegenstand ist der Tee und die Teegesellschaften.
  6. ) Weder Gast noch Wirt dürfen bei einer wahren reinen Versammlung weder in Wort noch Taten schmeicheln.
  7. ) Eine Versammlung soll nicht länger als 2 Stunden (japanische, also 4 St.) dauern.

Anm: Bei Gesprächen über die Regeln und Grundsätze der Teegesellschaften welche weiter nichts als einen die Standesunterschiede unberücksichtigt lassenden gemüthlichen und freien Umgang zwischen Hoch und Niedrig für die Dauer der Versammlung verlangten) und reiner (d. h. angenehmer, dem Zweck entsprechender) Unterhaltung kann diese Zeit auch überschritten werden.

Im 12ten Jahre Tenshō den 9ten des 9ten Monats. (12. Okt. 1584 [richtiges Jahr: 1592])
Gez: Nambō Sōkei (Besitzer des Hauses Shiuunwan.)

1) “Nampō-roku, is the supreme demonstration of tea knowledge as fabrication. It must be part of the national character of Japan. Our ears were so thirsty for even the tiniest hint of the tearooms tales of Nobunaga and Hideyoshi that we forgot to check the credentials of the storyteller. Our intoxication with history would be complete if we were only two short steps removed from the world of Rikyū. However, between the Nambō Sōkei stories of Rikyū and the Reader of Nampōroku stands Tachibana Jitsuzan. (立花実山, 1655-1708)
Jitsuzan was a trusted retainer of Kuroda Tsunamasa and was the kind of tea man-poet who made Hakata proud. Jitsuzan discovered five of the seven manuscripts that we now call Nampōroku in 1686 (「覚書」「会」「棚」「書院」「台子」). One hundred years after the death of Rikyū, Jitsuzan conveniently found two more (「墨引」「滅後」) in 1690. […] After reading several books dealing with Nampōroku, including『南方録と立花実山』and『茶の湯と筑前―利休らの足跡と「南方録」の系譜』by 松岡博和, it is obvious that Tachibana Jitsuzan was also a very competent editor. Most scholars now agree that Jitsuzan used historical documents about tea to write the Nambō Sōkei account of the tea lore of Rikyū. Some tea historians acknowledge that even though was initially treated as a secret text transmitting the sacred depths of the tea practiced by Rikyū, it also contributed to a revival of the career of Rikyū as the Saint of Tea.
Despite not being what it claimed to be, helped the grandmaster tea schools legitimate themselves as they elevated their ancestor. By claiming that the complex possibilities of tea were already perfected by Rikyū during the sixteenth century, the grandmaster tea schools stopped history and placed themselves at the centre of the tea narrative. Forever.“
『七隈の杜』nanakumano-mori, no. 10 (2014), S. 20.


„Leitfaden für das Verhalten am Übungsort“ verfaßt von Tanaka Sen'o (田中仙翁, *1928), Meister des 1898 gegründeten „Dai Nihon Chadō Gakkai.“ (Auf Englisch gibt es ; [田中仙堂, *1958]; Tea Ceremony; Tokyo, New York , 2000 (Kodansha); ISBN 4770025076.

Übersetzung von Jobst (1974), S. 107 ff.)

Matchapulver in einer schwarzen lackierten Schale die auf Tatami steht. Davor der Chaire mit aufliegendem Löffelchen aus Bambus.

Bei dieser Form des Teetrinkens wird nun grüner, nicht fermentierter Tee verschiedener Qualität zu einem leuchtend grünen Pulver vermahlen. Das Pulver wird in eine angewärmvte Schale gegeben, bei den billigeren Sorten so viel, daß man es dann unter Zugabe von einer kleineren Menge nicht allzu heißen Wassers mit einem kleinen besenartigen Bambusschläger, je nach Wunsch, mehr oder minder schaumig schlagen kann. Bei den kostbaren Teepulversorten gibt man so viel in die Schale, daß mit ungefähr der gleichen Menge Wassers sich ein Brei davon anrühren läßt.
Diese Art Tee zu trinken wurde im China der Sung-Zeit (979–1279) entwickelt, geriet aber später dort wieder in Vergessenheit.

Matcha für dünnen Tee während des Aufschäumens mit einem Bambusquirl in einer schwarzen Teeschale.
Koi-cha genannt, welcher ähnlich wie sehr dünner zubereiteter Spinat aussieht.

1. Am Übungsort pflege man, äußerlich und innerlich rein, mit den anderen einen vertieften Umgang.
2. Betritt man den Raum, so versichere man sich der Ordnung der abgelegten Fußbekleidung. (Der japanischen Etikette entsprechend gilt es als besonders wohlerzogen, seine abgelegte Fußbekleidung in Richtung zum Ausgang abgezirkelt genau aufzustellen).
3. Dabei wechsle man auch unbedingt die Tabi-Strümpfe. (Der Tatami-Mattenbelag des Teezimmers dient zugleich als Fußboden, „Stuhlebene“ und Tischtuch und wird deshalb peinlich rein gehalten. Die Fußbekleidung soll daher immer weiß sein und besonders wichtig daß der Stoff der Fußsohle ganz blütenweiß ist).
4. Vor dem Betreten des Zimmers spüle man zuerst Hände und Mund. (Die übliche Reinigung vor dem Betreten meist shintoistischer Heiligtümer).
5. Die Würdigung der Bildnische und die Betrachtung der Blumen erfolgt vor der Begrüßung des Lehrers. (Entsprechend der traditionellen japanischen Etikette begrüßt, man seine Gäste nochmals, bzw. erst richtig, wenn sie sich schon in dem für den Empfang vorgesehenen Raum eingefunden haben. Das wird im Falle der Teezeremonie noch gewissermaßen übersteigert praktiziert).
6. Am Übungsort sind außer Hattoku und Juttoku keine anderen Haori-Jacken erlaubt. Auch sind während der Teebereitung Fingerringe, Armbanduhren und Dinge, die vom Gürtel herabhängen, abzulegen. (Haori ist ein mantelartiger Überwurf über dem Kimono, der normalerweise seinem Träger einen zeremoniell-formellen Habitus verleiht, im Falle der Teezeremonie wird dies aber nur den genannten Sonderformen dieses Überwurfs zuerkannt. Ringe u. dgl. könnten kostbare Geräte beschädigen, und eine später noch genauer zu definierende Tendenz, durch die Kleidung markierte Standesunterschiede zu überwinden, sind der Anlaß dafür).
7. Während der Teebereitung hat, abgesehen von den vorgeschriebenen Redewendungen absolutes Schweigen zu herrschen. (In vorgeschriebenen Redewendungen grüßt man, spricht über den Geschmack des Tees, die Geräte, das Zimmer, den Zimmerschmuck usw.).
8. Auch wenn ein Übender bei der Teebereitung Fehler macht, darf niemand außer dem Lehrer durch ein Zeichen oder mit einem Worte weiterhelfen.
9. Auch im Falle, daß der Lehrer vertreten wird, darf niemand in den Unterricht eingreifen.
10. Fragen, die den Teeweg betreffen, sind in der Zeit zu stellen, in der ein Übender seine Teebereitung beendet hat und der Nächste die Vorbereitungen dafür trifft.
11. Die Vorbereitungen in der Mizuya (= der Raum, in dem die Teegeräte bereitgestellt und gereinigt werden) hat der Schüler als seine Pflicht zu beherzigen, der als erster morgens den Übungsraum betritt; das Aufräumen des Wasserkessels ist die Pflicht dessen, der als letzter übt.
12. Die Aufbereitung der Asche und Holzkohle für das Furo- und Ro-Kohlenbecken und das Reinigen des Übungsortes darf auch nicht bei der Übung ausgelassen werden. (Das sog. Furo (= „Wind-Ofen“) Kohlenbecken steht frei auf drei angearbeiteten Beinen im Raum und findet in den Monaten Mai bis Oktober Verwendung, das Ro ist eine etwas größere in den Boden eingelassene Feuerstelle und ist wegen seiner intensiveren Heizkraft zwischen November und April in Gebrauch. Für ganz besonders feierliche Anlässe wird aber das ganze Jahr über das Furo-Becken bevorzugt).


Ablauf der Teezeremonie

Der Teeweg bedeutet ein Leben in einem umfassenden ästhetischen Genuß, dessen Zentrum das Teetrinken in einer Versammlung und die sich dabei vollziehende Handlung steht. Die dabei zur Verwendung kommenden Geräte, Blumengestecke, Bildrollen, Gärten, Baulichkeiten, wie auch die hierbei noch gereichten Getränke und Speisen ordnen sich dem Gesamtsinne harmonisch unter.

Um eine Idee vom Ablauf der Teezeremonie zu geben, wird nachfolgend Bechreibung aus dem Jahr 1936 – also zur Zeit von Bohners Übersetzung – wiedergegeben. Verfaßt wurde diese von Lilly Abegg, Ostasienkorrepondentin der Frankfurter Zeitung, die am 19. November 1937 vor den anrückenden Japanern aus Nanking floh. Sie stand insgesamt der japanischen „Kultur“ – nicht jedoch dem Nationalsozialismus – kritisch gegenüber.
Das (leicht gekürzte) Zitat stammt aus ihrem Yamato – der Sendungsglaube des japanischen Volkes; Frankfurt/M. 1936 (Societäts-Verlag), S. 170-83 (Das Werk findet sich in der „Liste der Bücher die [1933-45] nicht angezeigt werden durften“ der deutschen Nationalbibliographie):

Kohlebecken im Teehaus
Die Teemeisterin legt Holzohle („sumi,“ ) in die Feuerstelle. Unter der speziell vorbereiteten und nach einem System zu stapelnde Kohle, deren Stücke je nach Form andere Namen tragen (hier in den Stäbchen „Tenzumi“), liegt eine schützende Lage Asche („Hai,“ ), die je nach Art der Zeremonie sorgfältig geformt wird, wozu ein spezieller Löffel, der „Haioshi“ verwendet wird. Die langen Stäbchen („Hibashi,“ 火箸) sind aus Metall. Am auf der Tatami stehenden Kama-Kessel sieht man die zum Abheben angebrauchten Ringe „Kan“ (). Kaum erkennbar ist der Untersetzer „Kamashiki“ (釜敷), der bevorzugterweise aus Rattan hergestellt ist, was die Matten schont, da es nicht zu rauh ist. Bei der hier gezeigten einfachen Zeremonie wird auf einen Ruß- bzw. Funkenschutz (in Form eines Maekawarake) für teuere Kimonos verzichtet.
Die Kohle wird im Hinterzimmer in einem „Hibachi“ (火鉢) vorgeglüht. Es ist üblich, vor und nach dem Zulegen von Kohle, den Rand des Beckens mit einer Feder („Haboki,“ 羽箒, bevorzugt Adler oder Kranich) zu reinigen. Im Winter soll die linke Federseite breiter sein, im Sommer die rechte.

Will man über den Zen-Buddhismus etwas erfahren, der von jeher eine so große Rolle in Japan gepielt hat, so wird man am besten einen buddhistischen Tempel aufsuchen, um sich die berühmten Meditationen „anzusehen“. In einer großen dämmerigen Halle, die mit japanischen Strohmatten ausgelegt ist, sieht man überall am Boden kniende Gestalten, vornübergebeugt, wie im Gebet. Einige sind umgefallen und scheinen zu schlafen. Ein Tempeldiener geht durch den Saal und versetzt ihnen erfrischende Püffe. Nach einer Weile kommt er wieder, um die Neueingeschlafenen aufzuwecken. Für die meisten Anwesenden scheint der Schlaf ein dringenderes Bedürfnis zu sein als die tiefen Meditationen des wachen Geistes.

Bekanntlich ist der Schlaf von jeher der größte Feind der Meditationen gewesen – und vor vielen Jahrhunderten waren es buddhistische Mönche in China, die den Tee entdeckten und bei ihren nächtlichen Uebungen zu trinken pflegten, um nicht einzuschlafen. Die Mönche lehrten das Teetrinken alle Gläubigen, bis es schließlich bei allen Kulturvölkern der Erde eingeführt wurde. Die Mönche entdeckten auch sehr rasch die heilsame Wirkung des Tees. Spätere Forschungen haben ergeben, daß der Tee – jedenfalls der grüne Tee, der in China und Japan getrunken wird – viele für den Körper nützliche Stoffe entält: Alkali, Eisen, Mangan und Vitamine. Die Mönche priesen das neue Getränk also mit gutem Grund als ein Geschenk der Natur.

Buddhistische Mönche waren von jeher besonders ästhetisch veranlagt und kunstliebend. Sie erhoben das Trinken des Tees, dieses Naturgeschenks, zu einem Kult, sie erfanden die Teezeremonie. In China selbst ist sie nicht über die Anfänge hinausgekommen, in diesem großen verwöhnten Reiche war sie eine Modesache wie so manches andere auch. Ein buddhistischer Mönch brachte den Kult des Teetrinkens aber nach Japan, wo er sich im Laufe von mehreren Jahrhunderten entwickelt und verfeinert hat, bis er schließlich der nationale Kult Japans geworden ist. Die japanische Bezeichnung „Cha-no-yu“ bedeutet wörtlich: „heißes Wasser des Tees,“ wird jedoch immer mit Teezeremonie übersetzt.

Die Zeremonien sind oft beschrieben worden. Ein Diner geht ihnen voran, aber das Teetrinken ist die Hauptsache. Zum Brauen des Tees benutzt man gepulverten Tee und nicht Teeblätter, so daß das Getränk einer Erbsensuppe in Farbe und Konsistenz gleicht [Fn.: In Japan lebende ausländische Gourmets haben entdeckt, daß sich eine ausgezeichnete Eiscreme daraus machen läßt]. Es gibt eine dickere Art, koi-cha genannt, und eine dünnere, die man usu-cha nennt. Die erstere wird am Anfang der Zeremonie genossen, die letztere gegen das Ende. Der Tee wird auf eine unnatürlich langsame Art und Weise gebraut und getrunken; jede Bewegung ist durch einen komplizierten Code von Regeln festgesetzt. …
Für einen Europäer ist die Zeremonie langatmig und bedeutungslos. Wenn man ihr mehr als einmal beiwohnt, so wird sie unerträglich monoton. Nicht mit einem orientalischen Fonds von Geduld geboren, verlangen wir nach etwas Neuerem, Lebendigem, nach etwas, das wenigstens einen Schein von Logik und Sinn hat. Aber die Teezeremonien wurden nicht für uns geschaffen. Wenn sie jene unterhalten, für die sie ersonnen wurden, so unterhalten sie sie, und man braucht weiter nichts mehr darüber zu sagen. Auf jeden Fall ist ein Tee mit Zeremonien vollkommen harmlos, was mehr ist, als man von einem Tee mit Klatsch sagen kann. … Wenn die Teezeremonien auch keine „Philosophien“ verkörpern, wie manche ihrer Bewunderer sagen, so haben sie doch wenigstens in ihrer spätesten Form zur Reinheit in der Kunst beigetragen. Viele mögen sie für nichtssagend halten. Niemand kann sie aber als vulgär brandmarken.
Basil Hall Chamberlain; Allerlei Japanisches.

Es ist nur eine Spielerei mit Worten, wenn man darüber streitet, ob die Teezeremonie ein künstlicher Kult oder eine kultische Kunst ist. Sie gehört zu den japanischen Künsten im weiteren Sinne, zu jenen Künsten, die es nur in Japan gibt, wie auch die Kunst des Blumeneinsteckens, die Kunst des Gartenbaues und einige andere Künste, die Japan mit China gemeinsam hat.

Die Schlüsselstellung, die das Handwerk in der japanischen Kunst einnimmt, erstreckt sich vornehmlich auf die praktische Seite, auf die Gebrauchskunst. Eine ähnliche Stellung nimmt im Geistigen die Teezeremonie ein. Jedenfalls ist auch sie ein Schlüssel zum Verständnis der japanischen Kunst, aber ein sehr schwieriger.

Die erste japanische Abhandlung über den Tee verdanken wir der Tatsache, daß ihr Verfasser, der buddhistische Abt Eisai, seinem Herrn, dem jugendlichen und anscheinend recht ausschweifenden Shogun von Japan, Minamoto-no-Sanetome (1203-1268), den reichlichen Weingenuß abgewöhnen wollte. Eisai beschreibt nicht nur die heilsamen Einflüsse des Tees auf die Gesundheit, sondern gibt zugleich genaue Vorschriften über die Zubereitung und die Art, wie man den Tee trinken müsse. Und zwar erhebt er das Teetrinken zu einer religiösen Handlung mit Gongschlagen und Weihrauchbrennen. Bis zum heutigen Tag hat die Teezeremonie etwas von diesem religiösen Ursprung bewahrt. Immer noch wird Weihrauch dabei verbrannt. Und es gilt als besonders angemessen, die Gäste durch die Schläge eines Gongs in das Teezimmer zu bitten.

Als Vater der Teezeremonie betrachten die Japaner den buddhistischen Abt Shogu, dessen Herr, der Shogun Yosimasa, alle seine Regierungsämter niederlegte, um sich ausschließlich einem künstlerischen Leben zu widmen; er baute den Silberpavillon in Kioto, wo er zusammen mit dem Abt das verfeinerte Rituell des Teetrinkens erfand. Damals schon wurde die Größe des Teezimmers genormt. Seit jener Zeit ist es immer vier und eine halbe Matte, ungefähr 3 mal 3 Meter, groß gewesen. Shogu und sein Herr waren auch die ersten, die auf Kunst und Stoffechtheit bei der Auswahl aller für den Teekult notwendigen Gegenstände Wert legten.

Oda Nobunaga und Hideyoshi, die größten Feldherren Japans, waren begeisterte Anänger und Förderer des Teetrinkens und zwar in einem solchen Maße, daß man aus den Überlieferungen jener Zeit den Eindruck gewinnt, es handle sich um ästhetisierende Kunstgönner, nicht aber um die ruhmreichen Einiger Japans und schwertgewohnten Eroberer, die bereits vor der Armada die größte Flotte der Welt aufgestellt haben. Hideyoshi hat vermutlich die größte Teegesellschaft gegeben, die je auf Erden stattgefunden hat. Im Herbst 1587 lud er alle Teeliebhaber in Japan ohne Unterschied des Standes nach Kioto ein und forderte sie auf, ihre Teegeräte mitzubringen: Schalen, Feuerzangen, Weihrauchbeälter, Kessel und anderes mehr. Jeder der vielen Tausende von Geladenen schlug ein kleines Zeltchen auf, und Hideyoshi soll seinem Versprechen gemäß jedes Zelt aufgesucht, den Tee gekostet und die Gegenstände begutachtet haben. Die Teegesellschaft dauerte neun Tage.

Kriegsherren und Fürsten schenkten damals ihrem tapfersten und erfolgreichsten Vasallen als höchste Anerkennung Teetöpfe und -tassen. Manch einer soll sich über eine besonders kunstvolle Tasse mehr gefreut haben als über wirtschaftliche Vergünstigungen oder Standeserhöhungen. Samurais starben in den vom Feind angesteckten Schlössern mit dem Teetopf in der Hand; es wird sogar von einigen erzählt, daß sie ihr Schwert im Stiche ließen, um die Teeschalen zu retten. In vielen aristokratischen Familien werden bis auf den heutigen Tag Teeschalen verwendet, die von Nobunaga, Hideyoshi oder Iyeyasu einem Vorfahren der Familie geschenkt wurden, und von einigen ganz besonders gescätzten Tassen wird erzählt, daß sie bei der Flucht vor dem Feinde oder bei Unglücksfällen als einzige Gegenstände auf geheimnisvolle Weise gerettet worden seien. Man braucht an diesen Ueberlieferungen, die sich natürlich nicht nur auf Teegeräte, sondern auch auf andere Kunstgegenstände beziehen können, nicht zu zweifeln. Geschichtlich verbürgt ist zum Beispiel die Tatsache, daß sich ein Samurai den Bauch aufschlitzte, um ein kostbares Bild in seinen Eingeweiden vor der Verbrennung zu schützen. Er war in ein brennendes Gebäude gestürzt, um das Kunstwerk zu retten. Als er wieder hinaus wollte, fand er alle Ausgänge von den Flammen versperrt. Unter den rauchenden Trümmern fand man seinen verkohlten Leichnam und in dessen Innern das unversehrte Bild.

Hideyoshi war mit Rikyu, einem der größten japanischen Teemeister, eng befreundet. Der große Feldherr brachte dem Meister eine Achtung und Verehrung entgegen wie kaum einem anderen Menschen. Aber es war ein gefährliches Zeitalter, in dem man selbst seinen Verwandten und Freunden nicht zu trauen pflegte. Es gelang den Feinden des Teemeisters, Hideyoshi einzureden, daß sein Freund Rikyu an einer Verschwörung gegen ihn beteiligt sei und ihn vergiften wolle. Hideyoshi schöpfte Verdacht und verurteilte ihn zum Tode. Als einzige Gunst erwies er Rikyu die Ehre, durch eigene Hand sterben zu dürfen. An dem festgesetzten Tag lädt Rikyu seine besten Freunde zur Teezeremonie ein. Sie können sich nur schwer beherrschen, aber er bleibt vollkommen heiter und ruhig. Okakura Kakuzo schildert Rikyus Ende [siehe Biographie].

Die Kunst des Teetrinkens wird wie vor Jahrhunderten von den sehr angesehenen, meist aristokratischen Teemeistern gelehrt. Viele japanische Frauen verbringen heute noch mehrere Stunden wöchentlich bei einem solchen Meister, ähnlich wie man bei uns zum Klavierunterricht oder zur Handarbeitsstunde geht. Nicht nur junge Mädchen, sondern auch viele verheiratete Frauen aus den oberen Gesellschaftsschichten suchen immer wieder den Meister auf, weil man der Meinung ist, daß die Dinge, die man bei der Teezeremonie lernt, eine nützliche Grundlage für Benehmen und Umgangsformen in jeder Lage bilden.

Der Kult des Tees ist in Japan immer eine Angelegenheit der Aristokratie und der wohlhabenden Schichten gewesen. Er war nie Sache des Volkes. Dennoch hat er eine tiefgehende Wirkung auf das ganze japanische Volk und auf die japanische Kultur ausgeübt, weil er immer ein Quell der Einfachheit gewesen ist. Die Teemeister waren es, die fortwährend über die Entwicklung der Kultur, des Stils wachten und immer wieder reinigend alle Auswüchse und Fehlgriffe beseitigten. Und die Nation besaß bei ihren obersten Führern, bei Fürsten und Teemeistern, eine wachsame Aufsichtsstelle. Niemals konnte die Kunstausübung der führenden Schicht Luxus und Verschwendung zur Folge haben, weil ihr Einfachheit und Reinheit zum Ziel gesetzt waren.

Neben den Shinto-Schreinen haben die Häuschen für die Teezeremonie durch die Jahrhunderte den japanischen Stil rein bewahrt. Das Teezimmer befindet sich, wenn der Besitzer es sich leisten kann, meistens in einem besonderen kleinen Häuschen, das wir seiner ganzen einfachen Art nach am ehesten ein Gartenhäuschen nennen würden. Selbstverständlich besteht es nur aus naturfarbenem, unbemaltem Holz, und die Hauptsache ist, daß es so aussieht, als ob es mitten in der Natur stände und mit dieser verwachsen sei. Alles muß einen zufälligen und unbeabsichtigten Eindruck machen: das Bäumchen am Eingang, die Bambushecke, die bunten Blätter, die im Herbst auf dem Pfade liegen. In Wirklichkeit ist alles genau ausgedacht und sorgsam aufgebaut worden. Selbst das Herbstlaub wurde im Walde gesammelt und in den Garten gestreut, um die Gäste in eine herbstliche Stimmung zu versetzen.

Schwarz-weiß-Aufnahme von Frauen bei der Teezeremonie im traditionelle Kimono im saizan auf Tatami knieend. Lehrerin und Teekessel auf Feuerstelle.
Frauen bei der Tee­ze­re­mo­nie (ca. 1935)

Es gibt zwei Arten von Teezeremonien: eine sogenannte informelle und eine formelle. Sie unterscheiden sich entsprechend ihren Bezeichnungen durch den Grad der Förmlichkeit voneinander. Ausländer haben leicht Gelegenheit zur Teilnahme an der zwanglosen Art, die durchaus schon einen tiefen Eindruck vermitteln kann, aber äußerst selten an der förmlichen. Die Höchstzahl der Gäste bei der zweiten sind fünf Personen. Wenn einer davon sich nicht formvollendet zu benehmen wüßte, so würde das außerordentlich unangenehm und störend auffallen. Für einen ausländischen Neuling ist es aber unmöglich, sich richtig zu benehmen, selbst wenn er vorher alle Regeln auswendig gelernt hat, die zu beachten sind.

Die Gäste einer förmlichen Teezeremonie betreten den Garten nicht durch den Haupteingang, sondern möglichst unauffällig durch eine Gartentür. Dann pflegen sie in einer einfachen und offenen Wartehütte im Garten zu verweilen. Niemand kommt, sie zu begrüßen. Bis der Hausherr erscheint und durch seine stumme Verbeugung andeutet, daß er die Gäste im Teezimmer erwartet.

Schweigend geht der am meisten geehrte Gast, als der Führer der kleinen Gruppe, über den schmalen, mit großen Steinen belegten Pfad auf das Teehäuschen zu. Einer hinter dem anderen folgen ihm die übrigen Gäste. Dieser Weg, der meistens nur fünf bis sechs Meter weit ist, je nach der Größe des Gartens, führt an einem kleinen Wasserbecken vorbei. Hier muß ein jeder mit einem hölzernen Schöpflöffel seine Ände und seinen Mund spülen, genau so, wie das bei den Shinto-Schreinen vorgeschrieben ist.

Das Teeäuschen besitzt keinen richtigen Eingang – nur durch eine niedere öffnung kann man gebückt in den Raum gelangen: der Sinn ist der, eine demütige Haltung vorzubereiten. Dann knien die Gäste nacheinander vor dem Tokonoma, der kleinen Nische, die sich in jedem japanischen Zimmer befindet, um das dort aufgehängte Rollbild zu würdigen.

Sonst findet man in dieser Nische immer Rollbild und Blumenvase zusammen, aber bei der Teezeremonie darf nur eines von beiden Dingen vorhanden sein. Die Kunst des Gastgebers besteht darin, die Bildrolle oder die Sinnspruchrolle so zu wählen, daß sie die Aufmerksamkeit der Gäste zu erregen vermag. Natürlich ist die Wahl des Bildes bestimmten Regeln unterworfen, die von der Jahreszeit, dem besonderen Anlaß und anderem abängen. Es ist meistens ein sehr wertvolles altes Familienstück, das nur bei feierlichen Anlässen hervorgeholt wird.

Als nächstes bewundern die Gäste das Weihrauchgefäß. Nachdem der Hausherr zu Ehren der Gäste den Weihrauch auf die glühenden Holzkohlen des Herdes geschüttet hat, pflegt der Führer der Gruppe den Hausherrn zu fragen, ob er das Gefäß betrachten dürfe. Vorsichtig nimmt er es mit beiden Änden auf und bewundert es – vielleicht ist es tausend Mark wert, vielleicht fünftausend oder noch mehr, wie das bei jedem Gegenstand in diesem Raum der Fall sein kann. Danach bewundern es auch die anderen Gäste.

Bis auf diese wenigen vorgeschriebenen Fragen wird während der Dauer der Kulthandlung überhaupt nicht geredet. Es ist eine Feier der Schweigsamkeit.

Ein kleines, auserlesenes, mit vollendeter Kunst zubereitetes Mahl wird zunächst verzehrt. Für jeden Gast holt der Hausherrr das Tablettchen mit dem Essen selbst herbei. Bediente zu beanspruchen, wäre ein Verstoß gegen den Sinn der Teezeremonie. Nach alter Sitte dürfen die Gäste bei diesem Mahl keine Speise übrig lassen. Der Gastgeber selbst ißt jedoch nicht mit. Nach dem Mahle verbeugt er sich tief, zum Zeichen, daß der einleitende Teil der Feier beendet ist. Die Gäste begeben sich wieder in die Wartehütte oder in einen anderen Teil des Gartens, wo man eine Bank für sie aufgestellt hat.

Hat der Hausherr seine weiteren Vorbereitungen beendet, so ertönt meistens ein leiser Gong. Bei seinem Klang versinken die Gäste, die sich unterhalten oder geraucht haben, in andachtsvolles Schweigen. Wieder setzt sich die kleine Prozession in Bewegung, und noch einmal findet die symbolische Reinigung statt.

In dem Teeraum ist die Bildrolle jetzt verschwunden, und eine Blumenvase ist an ihre Stelle getreten. An dem vorgeschriebenen Platz steht ein Gefäß mit kaltem Wasser und der Beälter mit dem Tee. Der Hausherr tritt herein, die Teeschale in den beiden Änden. Dann bringt er die anderen Geräte, die er noch braucht, und zwar in einer bestimmten Reihenfolge und mit feierlichen Bewegungen, bei denen jeder Handgriff genau festgelegt ist. Achtet man genau auf diese Bewegungen, so wird man finden, daß es die für diesen bestimmten Zweck einfachsten, praktischsten und zugleich anmutigsten sind. Es wäre nicht zweckentsprechend und jedenfalls überflüssig, andere Bewegungen auszuführen. Es würde zu weit führen, alle einzelnen Handlungen des Gastgebers zu beschreiben. Das Entscheidende ist, daß nicht gesprochen wird. Während das Teewasser siedet, sollen die Japaner die Empfindung haben, als ob das Meer rauscht oder der Wind durch die Kiefern streicht …

Der Tee, der nun getrunken wird, ist kein gewöhnlicher japanischer Tee, sondern eine besondere Sorte, die zu Pulver gemahlen wird. Der Hausherr schüttet das Pulver in die Teeschale, schöpft – natürlich in genau Vorgeschriebener Weise – mit dem Schöpflöffel das kochende Wasser und gießt ein Drittel des Inhalts – nicht mehr und nicht weniger – in die Teeschale. Den Rest schüttet er in den Teekessel zurück. Dann nimmt er ein kleines Bambusinstrument, das einem Rasierpinsel nicht unähnlich sieht und das der Abt Shogu erfunden haben soll, und schlägt damit den Tee in der gleichen Weise, wie wir Schlagsahne schlagen. Feierlich überreicht er die Teeschale dem am meisten geehrten Gast, der den Inhalt in den üblichen dreiundeinhalb Schlucken austrinkt. Er stellt die Teeschale vor sich hin und nimmt sie wieder auf, um sie zu bewundern – auch das gehört zum Ritus. Er darf sie dabei nach allen Seiten drehen. Das gleiche wiederholt sich bei den übrigen Gästen. Es ist nur eine Teeschale im Gebrauch, die jedesmal wieder ausgespült wird. Nach der eigentlichen Zeremonie haben die Gäste die Pflicht, alle gebrauchten Gegenstände vom Gastgeber zu erbitten und sie eingehend zu begutachten und zu bewundern.

Die vorstehende Schilderung ist nur eine kurze Skizzierung des formalen Hergangs einer Teezeremonie, die volle vier Stunden dauert. Wenn die Gäste fort sind, geht der Hausherr noch einmal allein in den Teeraum, um dort zu meditieren.

Japanerin mit Teeutensilien. Studioaufnahme im ausgehenden 19. Jahrhundert.
Japanerin mit Teezeremonie-Utensilien und einem besonders schönen Exemplar eines Furo-Feuerbeckens zum Gebrauch im Sommer. (Studioaufnahme um 1890.)

Wie das Summen des siedenden Wassers nach der Überlieferung an das Rauschen des Meeres erinnert, so rufen auch alle anderen Dinge, von den Holzbalken der Decke bis zu dem kunstvollen Blumenaufbau in der Nische, der manchmal nur aus einem einzigen Blumenzweig besteht, besondere Naturempfindungen wach. Der kundige Japaner wird sich auch daran erinnern, daß diese Art, den Pflaumenblütenzweig in eine Bronzevase zu stecken, von einem berühmten Blumenmeister aus dem 16. Jahrhundert stammt. [Vgl. Kōan 32]

Ausgeprägter Formenzwang in Verbindung mit feiner Naturempfindung, das sind die beiden Grundelemente der Teezeremonie. Der Westländer könnte sie bei der ersten Beurteilung für ein Erlebnis rein ästhetischer Art halten. Aber sie ist dem Japaner doch viel mehr, denn, wie Okakura Kakuzo sagt: „ … in ihr prägt sich, verbunden mit Ethik und Religion, unsere ganze Haltung gegenüber dem Menschen und der Natur aus. Sie ist Hygiene, denn sie erzieht zur Reinlichkeit; sie ist Wirtschaftlichkeit, denn sie beweist, daß Behagen eher in dem Einfachen als in dem Vielfachen und Kostbaren wohnt; sie ist Geometrie der Moral, insofern sie das Verältnis unseres Gefühls zum All bestimmt.“

Vor wenigen Jahren hat eine aristokratische Familie in Tokio eine Teeschale für 189000 Yen [1932: 1 Yen = 0,48 g Gold] verkauft. Das waren nach dem damaligen Kurs [ca. 1935] ungefähr 375000** Reichsmark. Selbst das kleine Bambusinstrument zum Schlagen des Tees kann Preise von schwindelerregender Höhe erreichen. Daß solche Geldsummen für unscheinbare Gegenstände ausgegeben werden, ist ein Zeichen dafür, daß bei der Teezeremonie ein recht deutlicber Snobbismus herrscht. Man ist stolz auf eine alte Schale, die schon mehrmals zerbrach und zusammengekittet werden mußte, und man legt Wert darauf, ein Teehäuschen zu besitzen, das recht von Wind und Wetter mitgenommen aussieht.

**) Dies zu einer Zeit, als ein deutscher männlicher Arbeiter 50-60 ₰ Stundenlohn, so er denn Arbeit hatte, bekam. Stempelgeld war 9 Reichsmark/Woche. Die Löhne in Japan waren im Vergleich noch deutlich niedriger, ein Grundschullehrer erhielt ¥ 40, ein kaufmännischer Angestellter um ¥ 75 monatlich.


iemoto und ränge

Iemoto
Beim Iemoto-System, das sich in der Übergangszeit von Momoyama zu Tokugawa herausbildete, hat ein - immer männlicher - „Familienpatriarch“ (ie 家元 „Haus,“ Klan, Sippe, mit durchaus dynastischem Unterton und moto „Ursprung,“ „Basis” . Während der gesellschaftlich statischen Tokugawa-Ära, bei der ein (ältester) Sohn den Beruf des Vaters gezwungenermaßen fortführen mußte, eine nicht unnatürliche Entwicklung.) (zugleich ausgebildeter Fachmann) im Bereich einer gewissen Spezialisierung oberste Autorität in Fragen der Ausgestaltung und des Geschmacks (wabi, ). Es gibt Iemoto nicht nur in vielen Teeschulen, sondern u. a. auch beim Ikebana oder der Kunst des „Genusses des Räucherwerksriechens“ (Kōdō, 香道). Bis zur Verbreitung von entsprechenden Druckwerken, die in der ausgehenden Tokugawa-Ära begann, war der Iemoto immer auch der Hüter der „Geheimlehre,“ (Neben dem nur mündlich tradierten, kuden, gab es auch die Tagebücher der Meister, nikki, geheime Aufzeichnungen, hiden im Sinne von „Haustraditionen“ sowie meist in Farge-und-Antwort-Format gehaltenen Miszellensammlungen, kikigaki. Derartiges gilt für alle Arten künstlischer Disziplinen, wie z. B. den von Hermann Bohner später übersetzten der „geheimen“ Anweisungen Seamis zum Nō.) zumindest der feineren Punkte derselben.

Die berühmteste „Klassiker“ der Aufzeichnungen über Teegesellschaften, sogenannte Kaiki (会記) sind: 1) das über drei Generationen 1533 bis 1650 gehende Matsu-ya Kaiki (松屋会記 (Nur in Abschriften erhalten. Gedruckt in Sen Sōshitsu (Hrsg.); Sadō koten zenshū; Kyoto 1956, ³1977 (Tankōsha), 12 Bde., in Bd. 9. Auch betitelt als Tsuchikado hikki.); 2) 天王時屋会記, über vier Generationen der Familie Tsuda aus Sakai 1548-90, enden mit dem Nachtrag 1615/6 des 154. Abts des Daitoku-ji Kōgetsu Sōgan; 3) die Aufzeichnungen von Imai Sōkyū, dem Schwiegersohn und Meisterschüler Takeno Jōō's; 4) Sōtan nikki, von Kamiya Sōtan, Großhändler aus Hakata der 1586-1613, anfangs auf Einladung Hideyoshis, dreißig Jahre in Kyoto lebte, Schüler Rikyū's; 5) Yamanoue no Sōji-ki (vor 1590) ist primär eine Werbeschrift für den Stil seines Lehrers Rikyū.
Niederschriften des 17. Jahrhunderts wie das Zencharoku (禅茶錄) des Jakuan Sōtaku (1573-1645; lange seinem Mönchskollegen Takuan zugeschrieben. Die hier beschriebene Wabi-Ästhetik arbeitet auch die Rolle von Imperfektionen heraus, die z. B. bei der Raku-Keramik für Teeschalen bedeutungsvoll wurde. 柳宗悦 veröffentlichte in den 1950ern etliche Artikel darüber. In modernem Japanisch und Englisch ist 現代語訳禅茶錄 (ISBN 9784862850935). Es gibt eine deutsche Übersetzung von H. Hammitzsch in oriens extremus (1964) und eine französische von Frédéric Girard, revue philosophique de la france et de l’étranger, Vol. 142 (2017).) lagen gedruckt erst 1828 oder späer vor.
Oribe's Chahō Hyakkajō fand sich 1614 in dessen Nachlaß, nachdem er 73jährig seppuku hatte begehn dürfen.

All diesen „Künsten“ ist gemeinsam, daß sie aus einfachen Handlungen ein hochkompliziertes Ritual (Wie übertrieben ernst man ein solches Hobby nehmen kann zeigen akademische Fachartikel wie Comparison of bubble forming in a bowl of thin tea between expert and non-expert proceedings of 11th japan international sampe symposium and exhibition, ; gemessen wurde hier, ob es anhand der beim Aufschäumen entstehenden Geräusche möglich ist die Meisterschaft eines Probanden zu erkennen, wobei die Auswertung aufgrund unterschiedlicher, schulspezifischer Bambusquirl erschwert wurde.) machen, dessen Beherrschung durch einen Lehrplan geregelt ist, der normalerweise in vier Graden zur anerkannten Meisterschaft führt, welche aber letztendlich nur durch die Autorität des Iemoto „weihevoll“ verliehen werden kann. Konstruierte Genealogien, wie man sie auch in den Patriarchenreihen des Zen findet, sind ein wichtiger autoritätsbegründender Teil des Systems. Die Struktur der Iemoto-Schulen ist feudal, so daß die „gemeinen“ Anhänger(innen) allenfalls kurzzeitig bei speziellen Anlässen den aristokratischen „Glanz“ der Führer aus der Nähe erleben dürfen, diese umgeben sich bei ihren Zeremonien bevorzugt mit Prominenten, deren Anwesenheit positive Berichterstattung garantiert, was wiederum Teile der tumben Anhängerschaft, die mit ihren Käufen im Netzwerk den Betrieb finanziert, zu verstärkter Praxis anregt.

Die klassische Studie zum Thema ist ; 家元の研究 [Iemoto no kenkyu]; Tokyo , (吉川弘文館); ISBN [2013] 9784642042925

Bis zum Ende der To­ku­gawa-Ära war der Tee­weg eine Män­ner­do­mä­ne des Schwert­adels (bu­ke) und, mit Einschränkungen, der reichen Kaufmannschaft. Da­bei wa­ren einzelne „Fa­mi­lien“ gewis­sen Dai­myō-Klans erb­lich ver­bun­den und wurden von diesen fi­nan­ziert. Die pu­ri­ta­ni­sche Sen-no-Rikyū-Tra­di­tion (mit ihren Zweigen Ura, Or­na­te, Musha­no­ko­ji und einigen Ablegern) wurde Ende der Mei­ji-Zeit auch deshalb wieder dominant, weil es gelang ihre Methoden in den Lehrplan für Mädchen-Berufs­schulen aufgenommen zu bekommen. Die hierarchich organisierten, größten Teeschulen (ryūha, 流派) der Urasenke, Omotesenke (vgl. Artikel „Teekult“) und Mushanokōji(senke) haben einen „Großmeister“ (Iemoto) an der Spitze, dessen Titel erblich ist. (Die Weitergabe geschah oft, aber nicht zwangsläufig an den ältesten leiblichen Sohn, da es in Japan bis 1947 auch weitverbreitet war die Stammhalterschaft eines Hauses durch Adoption bei gleichzeitiger Einheirat zu sichern. Die Iemoto haben als Namensbestandteil respektive Sōshitsu, Sōsa und Sōshu. Alle drei Schulen führen sich auf Söhne Sen Sōtans (= Gempaku oder Totsutotsusai) zurück, daher San-Senke (san ist Japanisch für drei 三千家, ein vierter Sohn wandte sich vom Tee ab. Das Familiengrindstück wurde entsprechend dreigeteilt, mit je einem Teehaus.). Sōtan war der Nachfahre von Sen's Adoptiv- (zugleich Schwiegersohn) Shōan. Wesentlich für das System ist, daß Praktizierende, die lehren wollen eine (nicht billige) Lizenz des Großmeisters haben müssen.

Urasenke: Im Rahmen der kriegsbedingten Kontrolle jeder Art sozialer Bewegungen, erging 1942 eine Verordnung, die eine (genehmigungspflichtige) Eintragung als Verein vorschrieb. Hierauf aufbauen enstand nach dem Krieg die beschriebene Struktur, die sich zum guten Geschäftsmodell entwickelte. Auf lokaler Ebene finden die Teeaktivitäten in Ablegern des Vereins (Urasenke) Tankōkai (Mit 70% Marktanteil. Der analoge Verein der Omotosenke ist der Dōmonkai in dem rund ein Fünftel der Teeweg-Praktizierenden vereinigt sind.) statt. Die Ausbildung erfolgt in fast allen klassisch-japanischen Künsten in einem vierstufigen System. Weiter unten beispielhaft die Stufen der Urasenke im seit 1999 gebräuchlichen System. Dabei sind die Prüfgebühren (sie werden fifty-fifty zwischen Lehrer und Urasenke-Hauptquartiet geteilt) plus einem „Danke schön“ an den Lehrer in den drei Schülerklassen durchaus moderat, teuer kommen übers Jahr jedoch die Materialien, Mitgliedschaft in der Dachorganisation und für Frauen der unerläßliche formelle Kimono, der selbst in einfacher aber angemessene Ausführung nicht unter ¥ 350-400000 zu haben sein wird. Praktischerweise verdient die Urasenke auch mit dem hauseigenen Verlag Tankōsha (淡交社), der 1949 gegründet, inzwischen alles mögliche zu den japanischen Künsten verlegt. Seit 1984 gibt es die Firma Millime, die Süßigkeiten und Utensilien für Zeremonien liefert; eine Tochergesellschaft, die „Sukiya Architektur“ liefert ganze Teehäuser. Dazu betreibt man seit 2003 noch die gemeinnützige „Wa no gakkō,“ die Schulungen in allerlei „echt Japanischem“ bietet. Eine „Chadō Kulturstiftung“ zielt auf junge Eltern und ihren Nachwuchs, der dann auch das dreijährige „Uransenke Junior College“ besuchen könnte, dessen reine Studiengebühren mit gut sechs Millionen Yen im Rahmen des für Privatunis üblichen liegen. Die „Internationale Chadō Kulturstiftung,“ gegründet 1947, soll nicht nur Ausländern den Teewg vermitteln, sondern bildet vor allem Japaner aus, damit diese auf Englisch lehren können. Eine Unterorganisation ist die Aoyama Green Academy, die auch benachbarte Felder wie Zen, Kalligraphie, Nō usw. mit abdeckt. Innerhalb des so gebildeteten Netzwerks schachert man sich gegenseitig, wie früher innerhalb der Zaibatsu, Umsätze zu. Die Iemoto trommeln auch auf anderen gesellschaftlichen Ebenen, so bei den Rotariern. Hōunsai unternahm 1950 und wieder 1951 längere Touren der USA, als selbsternannter „Botschafter der Teezeremonie.“ Die geschäftlichen Interessen besorgte eine in Kalifornien eingetragene „Green International Corp.,“ die 1977 in der „Tea Ceremony Society of Urasenke“ aufging, hierbei handelt es sich um Geschäftsbetriebe, die z. B. das Beakers Hotel in Hawaii betrieben. In den nächsten zehn Jahren gründete man im Ausland etliche Urasenke-Vereine. Zahlreichen fremdem Ländern spendete man Teehäuser, an die dann ein hauseigner Lehrer entsandt wurde.
Man entwickelte sich zu Könnern im Bereich des „Marketing ohne Anzeigen,“ indem man vorteilhafte Berichterstattung durch gesponsorte Teezeremonien sicherstellt. Das funtioniert in Japan auf lokaler Ebene ebenso, wie international, als man beim Besuch des Shahs von Persien diesen bewirten durfte, Stände auf verschiedenen Expos errichtete oder man läẞt hochrangigen Politikern „die Ehre zuteil werden“ am ersten Tee des neuen Jahres mit dem Iemoto teizunehmen, was immer ein lebhaftes Medienecho findet. Dazu findet man immer wieder (offensichtlich bezahlte und daher kritikfreie) Berichte in allen möglichen Hochglanzmagazinen weltweit. Gerne erwähnt wird auch, daß der 16. Urasenke-Iemoto mit einer Cousine des Kaisers verheiratet ist. Auch konnte der Dainihon Sadō Gakkai-Iemoto in die zwar machtlose aber immer noch sehr prestigeträchtige Tokugawasippe einheiraten.

Die Iemoto der drei Senke-Schulen:

Urasenke (Konnichi-an; im Namen … Sōshitsu):
4. (Rogetsuan 臘月庵) Sensō (仙叟. Aus seiner Zeit stammt die Verbindung der Teezeremonie mit Herstellern von Raku–Keramik und die Kesselmacherfamilie in der Tradition der Familie von Ohi Chozaemon (heute 11. Generation). ) 1622–97
5. (Fukyūsai 不休斎) Jōsō 常叟 1673–1704
6. (Rikkansai 六閑斎) Taisō 泰叟 1694–1726
7. (Saisaisai 最々斎) Chikusō (adoptiert aus der Omotesenke) 竺叟 1709–33
8. (Yūgensai 又玄斎) Ittō (Adoptiert aus der Omotesenke (jüngerer Bruder von Chikusō, arbeitete mit seinem anderen Bruder (Chef der Omotesenke) daran die Teezeremonie wieder zu „purifizieren.“ Dabei aktiv mit Kawakami Fuhaku und dem Mönch im Daitoku–ji Mugaku Sōen. Entwickelte die Lehrmethode Shichijishiki, um den Teeweg vor allem in der Händlerklasse zu unterrichten. Verfaßte als erster ein Buch über den Teeweg, dessen Methoden bis dato nur mündlich eitergegeben worden waren.) 一燈 1719–71
9. (Fukensai 不見斎) Sekiō (Gefördert von den Sippen Kanazawa–Maeda (Kaga) und Iyō Matsudaira–Hisamatsu. Neubau des 1776 abgebrannten Konnichi–an.) 石翁 1746–1801
10. (Nintokusai 認得斎) Hakusō (Zu dieser Zeit dominierten Linien des Daimyō–Teewegs, bei deren Treffen es deutlich entspannter zuging. Der Tee war oft Vorspann zu einem gemütlichen Zusammensein wo dann fast immer auch um Geld gespielt wurde.) 柏叟 1770–1826
11. (Gengensai 玄々斎) Seichū (Zum Erhalt der Linie adoptiert und mit der Tochter Hakusō's vermählt. Kreativ beim Entwurf neuer Methoden und von Utensilien. Entwarf für die londner internationale Ausstellung 1872 eine „westliche“ Teezeremonie. Sein Schreiben an den Meiji–tennō 1873 brachte die Anerkennung des Teewegs als Kunst. Kinderlos, sein Nachfolger eingeheiratet aus der Sumikura–Familie von Kyoto.) 精中 1810–77
12. (Yūmyōsai 又玅斎) Jikishō (Trat 34jährig zurück, als sein Nachfolger 13 wurde. Pensionär im Myoki–an von Yamazaki.) 直叟 1852–1917,
13. (Ennōsai 圓能斎; auch Fubō oder Kan'un) Tetchū (Adoptiert und eingeheiratet, Sohn des Matsudaira Noritomo, Daimyō des Okotomo–han. Aktiv mit Jikishō's Tochter, die als Lehrerin sehr aktiv war zu einer Zeit als der Teeweg eine für Damen angemessene Betätigung wurde. Lebte in Tokyo, Herausgeber der ersten Teewegs–Zeischriften (konnichian–geppo, sadō–geppo, ura–no–tomaya), Vorläufer der modernen tankō: sadō–shi und des engl. chanoyu quarterly, ersch. 1970–99.) 鉄中 1872–1924
14. (Mugensai 無限斎) Sekisō 碩叟 1893–1964
15. (Hōunsai 鵬雲斎) Hansō (1946 Begründer der „Internationalen Teewegsgesellschaft.“ Um 1950 als selbsternannter Kulturbotschafter in den USA aktiv. Begründer des heutigen Geschäftsnetzwerks. Rege Publikationstätigkeit (hauseigner Verlag). Einrichtung des Midorikai, einer speziellen Ausländerabteilung im Urasenke College.) 汎叟 *1923
16. (Zabōsai 坐忘斎) Gemmoku 玄黙 *1956, Chef des Hauses seit 2002.

Omotesenke (Fushin-an; im Nasmen … Sōsa):
4. Kōshin 1613–1672, 江岑, Hōgensai (逢源斎)
5. Ryōkyū 1650–1691 良休, Zuiryūsai (随流斎)
6. Gensō 1678–1730 原叟, Kakkakusai (覚々斎)
7. Ten'nen 1705–1751 天然, Joshinsai (如心斎)
8. Ken'ō 1744–1808 件翁, Sottakusai (啐啄斎)
9. Kōshuku 1775–1825 曠叔, Ryōryōsai (了々斎)
10. Shōō 1818–1860 祥翁, Kyūkōsai (吸江斎)
11. Zuiō 1837–1910 瑞翁, Rokurokusai (碌々斎)
12. Keiō 1863–1937 敬翁, Seisai (惺斎)
13. Mujin 1901–1979 無盡, Sokuchūsai (即中斎)
14. Jimyōsai *1938 (而妙斎)

Musha­no­kōji (Kankyū-an an der Mushakōji-dori; im Namen … Sōshu):
4. Ichiō (Erblicher Teemeister der Matsudaira in Takamatsu.) 1605–1676 一翁, Jikyūsai (似休斎)
5. Bunshuku 1658–1708 文叔, Kyoyūsai (許由斎)
6. Shinpaku 1693–1745 真伯, Seiseisai (静々斎)
7. Kensō 1725–1782 堅叟, Jikisai (直斎)
8. Kyūō 1763–1838 休翁, Ittotsusai (一啜斎)
9. Nin'ō 1795–1835 仁翁, Kōkōsai (好々斎)
10. Zendō 1830–1891 全道, Ishinsai (以心斎)
11. Issō 1848–1898 一叟, Isshisai (一指斎)
12. Chōshō 1889–1953 聴松, Yūkōsai (愈好斎)
13. Tokuō 1913–1999 徳翁, Urinsai (有隣斎)
14. Sen *1945 , Futessai (不徹斎)

Proressiver Teemeister
Ein „progressiver Teemeister“ veranstaltete in den 1930ern in Tokyo „westliche“ Zeremonien, wobei der Tee am Tisch zubereitet wurde und die Gäste in Sessel saßen. Der Kaminsims diente als Substitut für das Tokonoma. Derartige Barbarei, bei der irgendwelche Blumen in eine beliebige Vase gesteckt waren und Kakemono im Querformat hingen, konnte sich nicht durchsetzen. (Es muß nicht verwundern, daß es sich bei den Gästen vor allem um amerikanische Damen handelte, den Angehörigen dieses Volkes geht ja auch heute noch jeder Sinn für feinere Ästhetik ab.) Auf ähnlichem Niveau bewegen sich die modernen touristischen Zeremonien, die z. B. das tokitoer Hotel Chinzanso, in Osaka “Tea Ceremony Waraku” oder, geringfügig stilvoller, von Jōkaian in Kyoto angeboten werden. Hierbei geschieht in 20-30 Minuten kaum mehr, als daß ein Tässchen billiger Matcha aufgeschäumt wird.

Gemeinsam ist allen Teeschulen, daß man zwar heute das Grund­wis­sen aus Büchern, Zeit­schrif­ten oder im Fern­se­hen er­wer­ben kann, jede Schule aber ihr „Geheim­wis­sen“ (hi­den bzw. oku­den) – in der Re­gel über vier Stu­fen – nur initiierten Adep­ten weiter­gibt. Das je­wei­li­ge Ni­veau wird durch (kostenpflichtige (Pro Unterrichtsstunde 1999: von 1500 ¥ in einer länd­li­chen Volks­hoch­schule, das zwei- bis vier­fache für Privat­un­ter­richt in Tok­yo. Hinzu kommen die Kosten von Feiertags-Ki­mo­nos, die selbst für ein­fache Stücke nicht un­ter 300000 ¥ zu haben sind.) und in den höheren Rängen sehr teuere) Prü­fun­gen nach­ge­wie­sen, die (jahre­lan­gen) Unterricht er­for­dern. Um eine Lehr­be­fä­hi­gung zu erhalten, müs­sen ver­schie­de­ne Stile und Va­ria­tio­nen der je­weiligen Schule ge­meistert werden, die An­zahl ist in den einzelnen Tra­di­tionen unter­schied­lich – we­sent­lich ist eben nicht das Ziel, sondern der Übungs-WEG () dort­hin. Aller­dings scheinen die mei­sten prak­ti­zieren­den Frauen diesen WEG eher als ein Mit­tel zum Er­lernen von tashi­nami („Manieren“) zu se­hen, als einen spi­ri­tu­el­len Pfad.

Stufen der Urasenke-Ausbildung:
1) Anfänger: a, Nyūmon; b, Konarai; c, Chabako
2) Mittelklasse: a, Chatsūbako; b, Karamono; c, Diaten-moku; d, Bonten; e, Wakin
3) Höhere Klasse: a, Gyō no Gyō Daisu; b, Daein no sō; c, Hikitsugi
4) Ausbilder: a, Shin no gyō Daisu; b, Daien no shin; c, Seihikitsugi
Darüber gibt es dann die Vollzeit-Lehrkräfte Chamei und Mon-urushi, die einen „Teenamen“ (Üblicherweise zusammengesetzt aus dem Zeichen und einem weiteren des Namens des Schülers. Solche Lehrer dürfen auf ihren Teezeremonie-Kimonos auch das Wappen des Iemoto führen. Mit der Investitur beginnt auch das gute Verdienen. Dem Webseitengestalter ist eine solche Veranstaltung im Jahre 1984 bekannt, sie soll typisch gewesen sein, bei der knapp 500 Besucher je 7500 Yen Eintritt an den neuen Meister zahlten. Selbst wenn man, großzügig gerechnet, sechzig Prozent für Saalmiete, Auslagen und 25% „Dankeschön“ für den Iemoto abzieht, verblieben mindestens 1,5 Mio. Yen; zu jener Zeit etwa drei Monatseinkommen eines Angestellten im mittleren Management eines Großbetriebs.) (Künstlername) verliehen bekommen sowie als höchste Stufe den „Assistenzprofessor“ (Junkyōjū). In weniger als zehn Jahren wird die gesamte Laufbahn kaum zu machen sein. Lehrer werden, wie in Japan allgemein üblich, nicht für ihre einzelnen (Privat)stunden bezahlt, sondern erhalten von den Schülern einen monatlichen Betrag, egal ob dieser die abgemachte Stundenzahl besucht oder nicht. Es gibt etliche gestrenge Ausbilder, viele der Lektionen, besonders von Hausfrauengruppen in den Schlafstädten, haben eher den Charakter eines wöchentlichen „gemütlichen Zusammenseins.“ Heute ist das Relation praktizierender Frauen zu Männer etwa 10 bis 13:1, unter den Lehrern dürfte der Männer­an­teil kaum wenige Pro­mille über­schrei­ten. Die Forschung zur Teekultur (Dazu: Kato Etsuko (*1965); Ceremony and Women’s Enpowerment in Modern Japan; London 2004 (Routledge, zgl. Diss. Toronto, 2004); ISBN 0-415-31703-7 und Leitung der Schulen ist jedoch fest in männlicher Hand.

Die heute zweitgrößte Schule, Omote-senke, verleiht Zeugnisse je nach Beherrschung der Benutzung eines bestimmten Utensils. Ähnlich geht die Mushakōji-Senke vor. Für acht verschiedene Gegenstände gibt es bei ihr Kurse mit entsprechendem Lehrbuch, Details behandelten die jeweiligen Themenhefte des 1995-2015 verlegten Newsletter ''Kifu.''

Selbstverständlich treten auch die (selten mehr als fünf) Gäste der formellen Zeremonie, der wichtigste zuerst. Dessen zuvorderste Aufgabe ist es z. B. auch das Kakemono lobend zu kommentieren.

gegenstände

Bambusschneebesen in Originalvepackung. Rechts der gelb-grünliche Schachteldeckel oben mit Kalligraphie unten aufgeklebtes Etikett, die Ware beschreibend.
Ein einfacher Teebesen, wie er heutzutage von der Omotesenke und Kankyuan-Schule verwendet wird. Hersteller Tanimura Tango, dessen Familie seit 20 Generationen derartiges produzieren soll. Aus dunklem Bambus (黒竹. Urasenke bevorzugt hell). Zur Herstellung verwendet man im Winter geschnittenen, dann gekochten und 2-3 Jahre im Freien gelagerten Bambus.

Es gibt auch eine „Rangfolge der Gegenstände,“ womit festgelegt wird in welcher Reihenfolge die Utensilien in den Raum zu bringen sind. Art und Anzahl variieren mit Art der Veranstaltung und Jahreszeit. So unterscheidet man u. a. Chaji (茶事), bei denen eine (bis zu 11gängige) Kaiseki-Mahlzeit serviert wird und später Süßigkeiten (speziell Wagashi 和菓子) aufgetragen werden. Bei dieser langwierigen, gut dreistündigen Zeremonie wird die Holzkohle zwei Mal gewechselt. Sie schließt mit dem Ausschank des dünnen Usucha.
Bei einer „Teeversammlung“ (Chakai (茶会. Liest man diese Zeichen Cha-e, so sind die Treffen von Teemeistern der Sengoku-Ära mit den feudalen Herren gemeint.)) ist jedermann ohne Einladung willkommen. Nur die ersten drei Gäste (Shōkyaku 正客, Jikyaku 字客, Teishi 停止) erhalten vom Meister ihren Tee. Die Nachfolgenden bekommen vom Hantō (半東) einfacheren Matcha angeboten.

„Hochrangige Gegenstände“ haben Vorrang und dürfen z. B. ggf. in der Tokonoma ausgestellt werden. Die Teeschalen und Teebehälter (Cha-ire 茶入 für „Koi-cha,“ Natsume für „Usu-cha“) werden bei der Urasenke nahe am Körper auf Bauchhöhe getragen. Chawan hält man beim Hinaustragen in der linken Hand, Natsume in der rechten. Dabei dreht man den Körper für Hochrangiges im Uhrzeigersinn.

7 Zeichungen mit japanischer Beschriftung von Teetassen.
Verschiedene Formen der Teetassen (chawan).

„Niedrigrangige Gegenstände“ werden von Männern in der Regel nicht mit zwei Händen getragen. Hiezu gehören der Behälter für die Asche (haiki) oder das Abwasser (kensui, 建水). Auf letzterem den daraufgelegten Hishaku zu balancieren, so daß er nicht herunterfällt, erfordert eine gewisse Übung. Beim Hinaustragen sollen solche Gegenstände dem Blick der Gäste entzogen werden, der Meister dreht sich gegen den Uhrzeigersinn.

Wie sich das Rangsverständnis aus der Idee von „nahen“ und „fernen“ Gerätschaften entwickelt hat läßt sich in der Bunrui sōjin-boku (Gedruckt in Sōshitsu Sen (Hrsg.); Shinshū sadō zenshu, 8; Tokyo 1955-6) aus dem Jahre 1564 (?) ersehen: Unterschieden werden 44 Gruppen von Gerätschaften, wobei einige dieser Gruppen mit etlichen Formvarianten sehr groß sind, so für Teekessel 45, für Teebehälter (chaire) 110.

Bestimmte Utensilien, die Mizuya gatte (水屋勝手), kommen nur bei der Vorbereitung (jumbi, 準備 ) im Hinterzimmer (mizuya, 水屋) zur Verwendung, so die Vorglühbecken Dairo oder Genro. (丸炉)

Der Ursprung dieser Klassifizierung ist im frühen Mittelalter zu suchen. Die Aristokratie schätzte immer aus China importierte Kunstwerke (karamono), die, wenn sie nach Expertenurteil (meikiki) einen Namen verliehen bekamen (dann namono bzw. meibutsu), für höchste Exklusivität sorgten. Solches stand in der Tokugawazeit der praktizierenden Kaufmannschaft natürlich nicht zur Verfügung, man hatte sich mit einheimischen Utensilien (wamono) zu begnügen. Die Lehren Rikyū's, daß man sich nicht an den hohen Standards des Shoin-Stils der Ashikagas orientieren müsse, fand daher breiten Anklang.

Teesorten
Es hat jeder Iemoto seine Lieblingsteesorte, die er empfiehlt (und die selbstverständlich über das organisationseigene Netzwerk zu erhalten sind). Als Beispiel genannt seien hier die Empfehlungen der Urasenke-Meister Zabōsai und Hōunsai aus dem Jahre 2017 (Preise pro 100 g-Packung) der Produkte des Traditionshauses Marukyu-Koyamaen in Uji. Für „dicken“ Tee Seijo no Shiro (¥ 4500), Shoun no Mukashi, Shoka no Mukashi (beide ¥ 8500) und Keichi no Mukashi (¥ 10400). Für dünne usucha soll man nehmen: Shohaku, Tama no Shiro oder Zuisen no Shiro (¥ 3500-5000). Der Chef der Omotosenke nimmt für dicken Tee Myofu no Mukashi (¥ 10400) oder Saiun (¥ 7200). Auch für dünnen Tee braucht man einen dicken Geldbeutel (¥ 3500-4000), hier lautet die Empfehlung Kissho und Sanyu no Shiro.
Auch den Enshū-ryū-Linien ist der Lieferant verbunden.

Andere Teelieferanten, die sich Teezeremonie-Matcha spezialisiert haben sind die kyotobasierte Kette Fukujuen (福寿園), Hoshino-Seichaen (星野製茶園), eher für seinen Sencha bekannt, Kanbayashi Shunsho (上林春松) sowie Itō Ryuōen (伊藤柳桜園) deren Produkte im eigenen Laden in Kyoto ebenso zu erhalten sind wie bei der Kaufhauskette Takashimaya.


Siehe auch zu den auf Gempaku zurückgehenden großen Sansenke mit Iemoto und Rängen.

Stammtafel
Traditioneller Stammbaum der Teemeister (Scan eines beschädigten Faltblattes aus Teekult 1930).

Mail Der Webseitengestalter wäre für Hinweise und eventuelle Richtigstellungen des untigen dankbar.

kleinere teeschulen

Die folgende nicht-abschließende Liste ist der Versuch die 2018 in Japan aktiven kleineren, d. h. außerhalb der San-Senke bestehenden Teeschulen (ryūha), kurz zu beschreiben sowie Verweise zu deren Webauftritten zusammenzustellen. Auf die feineren Unterschiede der Lehre kann nicht eingegangen werden.

Für 2006 wurden 2,3 Millionen Praktiziernde hochgerechnet, von denen etwa ein Drittel, regelmäßig, d. h. mindestens zwei Mal monatlich übt. Die Mitgliedschaft der Urasenke wird auf 3-40000 geschätzt. Die Zahl der Praktizierenden, traditionell am größten bei den 15-19 und 50-64jährigen, ist rückläufig. So fiel die Mitgliedschaft im Omotosenke Dōmonkai 2002-07 von ca. 131000 auf 114000 (-13%).

Vier Personen im Saizan in eime Teeraum. Links eine Japanerin im lindgrünen Kimono, daneben zwei Europäer und ein japanischer Teemeister im dunkelblauen Yukata.
Im tokioter Teeraum Shōden-an der Sōhen-ryū. (v.l.: Iwata Anro, Gilles Maucout, „Sōki“ und der Iemoto Iwata Sōgen; 2017).

Das Veranstalten von Teezeremonien war während der gesellschaftlich statischen Tokugawa-Ära eine von Daimyōs geförderte aristokratisch angemessene Kunst für Männer. Die Klans hielten sich entsprechende generationenlang Teemeister-Familien. In den frühen 1870ern kam es zur Entmachung und Verarmung der Samuraiklasse durch deren de facto Enteignung (durch schnell an Wert verlierenden Wertpapieren). Die heutige Dominanz der San-Senke, mit ihrem nüchternen Wabi-Stil, ist auch dadurch entstanden, daß es diesen kyotoer Sippen gelang ihre Tradition, nachdem der blinde Glaube an westliche Modernisierung um jeden Preis Anfang der 1890er abgeflacht war, in die Lehrpläne von Sekundarschulen für „höhere Töchter“ aufnehmen zu lassen. Diese „Proletarisierung“ erschien tolerierbar. Mädchen aus dem einfachen Volk ließ man vor dem ersten Weltkrieg im seltensten Fall mehr als die Grundschule angedeihen bevor man sie mit 14-16 Jahren verheiratete. Auch heute hält man in konservativen Kreisen der Angestelltenklasse den Besuch eines zweijährigen “Junior College” für das allerhöchste an Bildung was eine junge Frau braucht. Sie hat dann nach einer „Karriere“ als “office lady” am Photokopierer gefälligst mit 25, spätestens 30 Jahren zu heiraten und aus dem Arbeitsleben auszuscheiden. Mit dem guten Verdienst ihres Mannes darf sie sich dann, sobald ihre 1,2 Kinder schulpflichtig sind, die langen Stunden und Jahre alleine im Vorort gerne mit dem stilisierten Aufbrühen von Tee oder Stecken von Blumen totschlagen, bis Besagter dann abends besoffen in sein heißes O-furo zu stecken ist bzw., mit Ende 50 zwangspensioniert, als „Sodai-gomi“ (Sperrmüll), im Hause herumsitzt.

Es ist darauf hinzuweisen, daß in der späten Meiji- und Taishō-Ära unter Wohlhabenden, meist Geschäftsleuten der Sukisha-Elite, vor allem der Sekishū-Stil, hergeleitet von den Teeübungen der Daimyō, populär war. Die heutige Dominanz der San-Senke begann erst mit dem zunehmenden Nationalismus der 1930er, da diese das „echt Japanische“ besser vermitteln konnten.

Als Vorläufer der Senke-Schulen können die Nara-ryū (奈良流) und Sakai-ryū (堺流) betrachtet werden. Auf Sen Shōan (1546-1614), dem Nachfahren erster Generation, gehen zurück:
Sōtan-ryū, ein sehr auf wabi bedachter Stil.
Von dessen Schüler Sōhen Yamada ( 山田宗偏) begründet wurde Sōhen-ryū. Ihr Sitz ist in Kamakura. Im Sankai-en in Yokohamam hat man das Teehaus Rindō-an. Ihr Vertreter in Frankreich ist Gilles Maucout (Sōki).
Ein weitere Schüler, Fusai Sugiki (杉木普斎) schuf die Fusai-ryū (普斎流).
Suji Genya begründete die Matsuo-ryū (松尾流). Er hatte unter dem sechten Omotesenke-Iemoto gelernt und brachte dessen Lehre nach Nagoya, wo die Schule noch heute ihren Schwerpunkt hat. In den folgenden Generationen lernten mehrer Meister wiederum bei den Omotesenke-Iemoto.
Andō Nobutomo (1671-1732) wurde erblicher Zeremoniemeister der Tokugawa-Shogune, seine Art Tee zu bereiten entwickelt er zur Oie-ryū (御家流, „Weg des ehrenwerten Hauses“).

Weitere Teewege sind die des Yabu[no]uchi dessen Gründer Jōchi (= Kenchū) wie Rikyū bei Takeno Jōō (武野紹鴎) gelernt hatte, Hisada-ryū (久田流), Hayami-ryū (速水流). Letztere ist eine vom achten Iemoto der Urasenke genehmigte Abspaltung für seinen herausragenden Schüler Hayami Sōtatsu aus Okyama.

Die Higo-koryū (肥後古流), die „alte Schule des Higo-Han“ nennt sich deshalb „alt,“ weil man dem Weg Rikyū's zu folgen glaubte. Es gibt drei Linien (流 bzw. 家): Furuichi-ryū (古市流), Kobori-ryū (小堀流; heute als 白水会 Hakusui-kai; s.a. Enshu-ryū), Kayano-ryū (萱野流).

Die nach ihrem Sitz in der Hauptstadt der Tkugawa-Shōgune genannte Edō-senke (江戸千家) geht auf Sen Sōsan (= Nyoshinsai) bzw. seinen Schüler Kawakami Fuhaku (川上不白, 1719-1807) zurück, daher auch Fuhaku-ryū. Er war der zweitgeborene Soh des Daimyō im Tshushima-han der die meiste Zeit in Edō lebte. Nach Ende der Meiji-Era gab es in der Geschichte dieser Teeschule einige Brüche, sie besteht aber heute noch im tokioter Taitō-ku. » Webite (jp.)

Teehaus in Erdtönen zwischen gepflegten Bäumen, geschnitten im japanischen Stil. Mit Bambus vergitterten Fenster, Tür links unter Vordach. Im Giebeldreieck eine rechteckige schwarze Tafel mit güldener Schrift. Weg zum Häuschen mit granitenen, unregelmäßig-runden Steinplatten zwischen sprießendem Moos.
Das von Enshū Kobori entworfene Teehaus Yōsui-tei (擁翠亭). In der frühen Meiji-Ära an den heutigen Standort im kyotoer Kita-ku verlegt.

Kobori Enshū (1579-1647 小堀遠州小堀政一. Amtstitel als Daimyō: Tōtōmi no kami) war der Daimyō des Omuro-han (小室藩). In den zeitgenössischen schönen Künsten ein Multitalent, sind vor allem seine Gärten in Schlössern und Palästen berühmt. Aus seinem Teeweg entwickelte sich die Enshū-ryū (遠州流茶道), basierend auf den Methoden Oribes; zugleich ist es der Name eines Ikebana-Stils. Enshū Kobori wurde von Hidetada zum offiziellen Teelehrer des dritten Shōguns Tokugawa Iemitsu ernannt. Kennzeichnend für seine Lehre ist das Daisu (台子) genannte Brett zwischen Meister und Gast im Boden und die Idee des „Schön-schlichten“ (kirei-sabi, 綺麗寂び).

Von den von Enshū entworfenen Teehäusern stehen im Shoin des Ryūkō-in (龍光院 im Daitoku-ji) noch Bōsen (忘筌), Teil des Kōhō-an (孤篷庵) und Mittan (密庵). Beide wurden aber in den folgenden Jahrhunderten stark verändert. Originalgetreuer ist das Hassō-no-seki im Konchi-in (金地院 im Nanzen-ji).

Die moderne Organisation hat ihren Hauptsitz im tokioter Shinjuku-ku. Man gründete auch eine Stiftung (小堀遠州顕彰会). Enshū Sadō und Enshū-ryū Hombu. Gute englischsprachige Infos hat die Seite des NUS Sado-Club [sic] der Universität Singapore. Hoflieferant ist auch hier Marukyu Koyama-en in Uji.

Die Kobari Enshū-ryū (小堀遠州流) geht zurück auf einen jüngeren Bruder Kobori Masayuki (1583-1615 小堀正行. Heutiger Hausvorstand ist 小堀健作, Teename宗圓 *1946, 16. Generation.) Sie hat ihren Sitz im Nerima-ku. Website und Waraku-an.
Eine weitere Seitenlinie, die in Kyoto aktive 小堀仁右衛門家, erlosch in der zehnten Generation während der frühen Meiji-Ära.

Die Kogetsu Enshū-ryū (壺月遠州流 anfangs 壺月諦誉) hat heute ihren Sitz in Yokohama. Gegründet wurde sie 1916 vom Mönch Kanko. (Geburtsname 青柳貫孝 aus dem Choon-ji 潮泉寺 in Odawara) Sein Lehrmeister war der Gelehrte Watanabe Kaigyo (渡辺海旭). Kanko war der Ansicht, daß der Samurai-Teeweg früher ein einfacher gewesen war, er wollte die Methode vor übermäßig verfeinerten Ritualen befreien und mehr buddhistische Rationalität einführen, was deutlich wird im Titel des Iemoto 壺月遠州流禪茶道宗家. 壺月遠州流禪茶道

Die Yamato Enshū-ryū geht auf Kobori Masagasu (小堀政一) zurück. Der Weg soll „einfach-nobel“ (kirei sabi) sein. Der aus Sano (Tochigi-ken) stammende Kato (加藤一照) wurde als Stammhalter der 17. Generation in die Familie adoptiert als er die Tochter seines Vorgänger heiratete. Er verlegte die Schule 1910 nach Hokkaido in den Ort Rumoi. Der Iemoto der 18. Generation (er ist als Neugründer zu sehen, nun mit Familiennamen Tadenuma (蓼沼紫英), zog den Hauptsitz der Schule 1933 nach Sapporo um, sie hat aber als Verein Saigetsukai (静月会) zehn Filialen im ganzen Land. Man veranstaltet häufiger als andere Teezeremonien im Freien. 大和遠州流

Der Bezug der (Hosokawa) Sansai-ryū (細川三斎流) auf den Namensgeber Hosokawa Tadaoki (1563-1634, 細川忠興) ist eher dünn, so wie ein Großteil der „Genealogie“ im Dunklen liegt. Erst ab der 4. Generation (Lebensdaten unbekannt, 中井祐甫) kann man von einem eigenen Weg spreche. Der eigentliche Durchbruch kam erst als im 18. Jahrhundert der Iemoto der 7. Generation (1725-91, 林久嘉) zum Teemeister des Matsue-Han bestimmt wurde. Seit der 9.Generation sind die Chefs Mönche, ab der elften Generation (Anfang 19. Jhdt.) war man dem Kyomizudera (安来清水寺, Teehaus 観月庵 in Yasugi) verbunden. Zur Meiji-Zeit kam es dann bedingt durch die Zeitumstände zu Brüchen in der Linie. Aus dem Tempel zog man 1895 ins Dorf Kawazu (川津村). Zur Wiederbelebung kam es, nachdem der Meister im Daitoku-ji in die Lehre ging, die Sansai-ryū etablierte sich in Izumo (im 観翠庵). 1951 wurde im Kannon-ji ein neues Teehaus gebaut. Der Iemoto der 19. Generation starb unerwartet 1994, seine Witwe führte die Schule weiter. Der heutige Iemoto (*1977) heiratete 2003 in die Familie ein und übernahm 2008 die Leitung der nur regional in Izumo (Shimane-ken) aktiven Schule. 三斎流

Die Gyoku Enshū-ryū (玉川遠州流) der Omori-Familie pflegt beide Teewege, den des Matcha und den des Sencha. Ein Zentrum in dem dieser Teeweg gepflegt wird und das Raku-Keramik sammelt ist das Homma Museum der schönen Künste (本間美術館), eröffnet 1947 in Sakata (Yamagata-ken).

Japanische Teetasse mit rauher Glasur.
Die von Hon'ami Kōetsu geschaffene Teetasse „Fuji-san“ ist japanischer Nationalschatz. 

Keine Teeschule war die 1905 in Osaka gegründete Juahachi-kai (bzw. Juhakkai, „Gruppe der 18“) die sich während des russisch-japanischen Krieges auflöste und dann 1913 als Koetsu-kai (im Andenken an Hon'ami Kōetsu) neu begründet wurde. Hier versammelten sich Künstler der verschiedensten Genres, die durch zahlreiche Ausstellungen u. a. auch hochwertiger Teeutensilien, das Wissen darum unter weiten Schichten des Volkes verbreitete. Sie belebten den Gebrauch von Objekten des Rimpa-Stils (琳派, eine in der Meiji-Ära üblich gewordenen Bezeichnung, vor allem auf Malerei bezogen. Zuvor hatte man verschiedentlich von Kōetsu-Schule (光悦派 Kōetsu-ha), Kōetsu-Kōrin-Schule (光悦光琳派) bzw. Sōtatsu-Kōrin-Schule (宗達光琳派 ) gesprochen.) bei der Teezeremonie wieder. Einer der Organisatoren war das künstlerische Multitalent Kamisaka Sekka (神坂雪佳, 1866–1942).

Als Überbleibsel chinesischer Traditionen basierend auf der Klosterregel des Bǎizhàng (T. 2015. Zur Regel vgl. ; ; Buddhistische Tempel in China; Norderstedt (BoD); Bd. II, S. 550, 575; ISBN 978-3-7448-7270-6)zu sehen ist die in einem der Haupttempel des Rinzai dem Kannin-ji (建仁寺) am 20. April abgehaltene Zeremonie der „vier“ bzw. „acht“ Häupter (vgl. ; 禅寺のお茶 建仁寺四頭茶礼に参加して; , Vol. 26 (); [http://www.sekishunet.com/bulletin.html]) (yotsugahira 四頭茶会 bzw. yatsugashira). Nach Abbrennen von Weihrauch und dem Essen von Süßigkeiten werden den vier/acht Ehrengästen, die jeweils von vier/acht weiteren Gästen begleitet werden, chinesische Tassen mit Untersetzern (temmoku dai (天目. Bezeichnung eines, durch Verwendung von mangan- oder eisenhaltigem Material, braun-schwarz glasierten Geschirrs (auf Basis der Jiàn yáo 建窯), das seinen Ursprung in Brennereien nahe dem chinesischen Tempel Tiānmù shān hatte (am Berg wächst besonders hochwertiger Tee, annähernd vergleichbar in Qualität dem Lóngjǐng chá 龍井茶 von Hángzhōu). Charakteristisch sind weite Öffnung und schmaler Fuß.)) vorgesetzt in denen sich bereits pilverisierter Tee befindet. Der bedienende Mönch kommt mit einer Kanne heißen Wassers, den Teebesen über die Tülle gestülpt, zum Gast, der die Tase hochhält. Der Mönch befüllt die Tasse und schäumt den Tee auf.

Ebenfalls in der Tradition Enshū Kobori's stehend sieht sich die Ikebana-Schule Kadō-enshū (bis 1993 正風遠州流) 華道遠州

Links hinten biwadoko mit Ikebana in weißer Vase am Boden. Trennwand mit rohem Tokonomabashira; unteres Drittel offen. Davor 2-Matten-Raum mit einem beschreibenden Schild. Schiebefenster traditionell mit Papier bespannt. Dunkle, unverkleidete Decke. Alles mit sehr viel Patina.
Blick in einen der beiden Teeräume im Teehaus des Jiko-in von Nara (2003).

Die Sekishū-ryū (石州流) sieht Katagiri Sadamasa (片桐貞昌 = Katagiri Sekishū; 1605–73. Im wesentlichen schloß er die Entwicklung des Daimyō-Teewegs ab.) als ihren Gründervater an. Als Jugendlicher lernte er den Teewg des Kuwayama Sakon. (桑山宗仙, 1563-1632. Schüler des Sen Dōan 千道安) Er hielt sich seit 1633 in Kyoto auf, wo er bald begann den Wiederaufbau des abgebrannten Chion-in (知恩院) mit zu fördern. Im Zen unterwiesen wurde von Gyokushitsu Sōhaku und Gyokusho Sōban aus dem Daitoku-ji. Zugleich hatte er Kontakt mit berühmten Teemeistern der Zeit. 1638 begann er mit dem Bau des Tempels Korin-an, auf desssen Gelände auch ein erstes seinen Stil wiederspiegelndes Teehaus entsstand. Als Daimyō von Iwami und Yamato-Koizumi (Nara) war sein gesellschaftlicher Rang hoch genug, um 1647 zum Teelehrer für den vierten Tokugawa-Shōgun, Tokugawa Ietsuna (徳川家綱) berufen zu werden. Sein Büchlein [Sekishū] wabi no fumi (Gedruckt in Sōshitsu Sen (Hrsg.); Shinshū sadō zenshu, 9; Tokyo 1955-6) verfaßte er 1661. Im Jahre 1663 ließ er in Koizumi (Nara) den Jiko-in (慈光院) als Zweigtempel des Daitoku-ji errichten, auch hier mit 1668 erweitertem Teehaus und -garten; es handelte sich eher um einen „Teetempel,“ innovativ mit Tor, als um ein „Teehaus im Tempel.“ Getreu dem Motto „wer zahlt, schafft an“ ließ er seinen Lehrer Gyokusho Sōban als ersten Abt einsetzen. Seit 1665 war er oberster Teelehrer des Tokugawa-Klans. Sadamasa starb am 27. Dez. 1673, sein Grab ist im Daitoku-ji. Seine Art des Daimyō-Stils war deutlich entspannter als die nüchterne Variante der Gempaku-Nachfahren. Beliebt blieben die Methoden innerhalb der Herrscherkaste bis zur Meiji-Restauration. Auch die meisten Großindustriellen, so die sich für Tee interessierten, bis zum zweiten Weltkrieg, bevorzugten sie.
Als Nachfahre der 16. Generation leitet die Schule Katagiri Tadamitsu. Um diese Art des Teewgs in Deutschland zu verbreiten entsandte man Toshiko Miyazaki. Sie ist auch Spezialistin für Ikebana und mit dem Zenmönch Dorin Gempō (*1955), bis 2016 Leiter des Rinzai-Tempels Bodaisan in Dinkelscherben, verheiratet.

Innerhalb der Schule bildeten sich unter seinen Nachfolgern etliche Linien (auf Japanisch: 怡溪派・清水派・鎮信派・伊佐派・宗源派・嘉順派・大西派・大口派・古石州・片桐宗猿派・不昧派・野村派・林泉寺派・古閑堂派) ( -ha. Übersicht Traditionslinien) mit regionaler Verbreitung. Einige von diesen betreiben Webseiten: Nomura-ha (野村派), Shimizuha (清水派 geteilt in 大泉, heute 仙台藩茶道石州流清水派 und 清水 heute 石州清水流 die Namensänderungen erfolgten gegen Ende der Shōwa-Ära). Eigenständig agiert die Chinshi-ryū (鎮信流, alias Sekishū-ryū Chinshin-ha).

Erst 1771 als Teeschule des Matsue-han (beherrscht von einer Linie der Yūki-Matsudaira; 186000 koku) entstand die Fumai-ryū (不昧流), die auch einen Sekishū-ryū-Zweig hat (石州流不昧派). Matsudaira Harusato, alias Fumai, der 18jährig von seinem Vater übernahm, wäre als einer der Großen des Reiches wohlhabend genug gewesen sich einen exquisiten Kunstgeschmack leisten zu können, wie es damal üblich war. Allerdings hatten die Zwangsabgeben zum Wiederaufbau des Enryaku-ji den Han in finanziele Schwierigkeiten gebracht. Die Teezeremonie lernte er von Isa Kōtaku (1684–1745), Schüler des 253. Abtes des Daitoku-ji Ikei Sōetsu. Seine Schrift zum Tee Mudagoto, verfaßte Fumai 19jährig. Der Stil ging vom ausschweifender gewordenen Daimyō-Teewg der Nachfahren Oribes wieder mehr zum wabi Gempaku's hin, ohne jedoch ganz dessen nücherenen Konzepte zu übernehmen.
Man nutzt in Matsue vier bekannte Teehäuser: 1) Das oben beschriebene Mei-mei-an; 2) Kangetsu-an (観月庵). Es befindet sich auf dem Gelände eines Tendai-Tempels, beim Tottori-Erdbeben 2000 stürzte es ein, wurde aber 2010 saniert wiedereröffnet; 3) im Monzuki-ji (菩提寺), einem Tempel, den der Gründer der Matsudairas für seine Mutter bauen ließ, befindet sich der Teeraum Daien-an (大円庵); 4) Das 1792 erbaute Sugita-an (菅田庵) steht unter Denkmalschutz. Es befindet sich auf einem Hügel in einem ehemaligen Ferienanwesen der Matudaira und ist 2018 nicht öffentlich zugänglich. Fumai-ko sowie die Studiengruppe 不昧流研究会

Die Dai Nippon Sadō Gakkai (Hepburn: Dai Nihon cha-dō Gakkai, 大日本茶道学会) wurde von Tanaka Senshō (erst ab 1930 der 3. Präsident des Vereins; 1875-1960; 田中仙樵) 1898 mit anderen im kyotoer Kodai-ji gegründet. Ursprünglich hatte er unter dem 13. Meister der Urasenke gelernt. Er empfand deren Praxis jedoch als verknöchert. Als Vorvater betrachtet man heute den General Torio Koyata. (1848-1905, 鳥尾小弥太) Als zweite Präsidentin fungierte die Generalswitwe Yasuko (鳥尾泰子). Bereits in den ersten Jahren kam es zu internen Differenzen. Die „gesammelten Werke“ (田中仙樵全集, 8 Bde.) Senshō's gab der Enkel Tanaka Sen'ō (1928-2017, 仙翁) heraus. Die Leitung der Gruppe übernahm Tanaka Sendō (*1958, Präsident seit 2009, 仙堂). Der Hauptsitz ist seit 1938 im Shinjuku-ku von Tokyo. Man firmiert auch als Sandokukuan-Stiftung (三徳庵) Dieser Name bezieht sich auf das Haupt-Teehaus der Gruppen 1923 erbaut und seit 1951 an seinem jetzigen Platz. Man legt Wert auf die „akademische Erforschung“ der Teezeremonie und ihrer spirituellen Seite. An Hausblättern gibt es Cha-dō no kenkyū (茶道の研究 ISSN 0289-0070, seit 1966), Enjō und 茶道夏期講習会.

senchadō

Vier unregelmäßig geformte Teetassen mit grünlich-grauer Glasur und Schriftzeichen in schwarz beim oberen Rand. Im selben Farbton eine kleinne Teekanne mit Deckel und Ösen zur Befestigung von Haken. Darunter eine offenes Kännchen (ähnlich einer europäischen Sauciere) mit Schnabel links und verziertem Handgriff rechts.
Ein Satz Sencha-Utensilien von Maki Bokusai (牧朴斎) gebrannt in Sakashima (笹島) um 1800.

Senchadō (煎茶道) ist, wie der Name sagt, der „Weg des Sencha,“ also des Blattees, im Gegensatz zum gemahlenen matcha. Es handelt sich um eine in Gelehrtenkreisen der ausgehenden Edo-Zeit entstandenen Mode (zusammen mit der Kunst des Bunjinbana-Blumensteckens. (文人花) Hinsichtlich Utensilien und Zeremoniell ist man weniger streng, der „Weg“ ist von chinesischen Traditionen beeinflußt und ähnelt der unten geschilderten koreanischen „Zeremonie.”
Verwendet wird gerne Gyokuro-Tee (玉露), eine hochwertige Sorte, die etwa drei Wochen vor der Ernte durch Strohmatten beschattet wird. Diese Anbaumethode, deren „Erfinder“ die 1690 gegründete Firma Yamamotoyama sein soll, führt zu erhöhten Theanin- und Koffein- aber geringerem Gerbstoffanteilen sowie einem speziellen, süßlichen Geschmack. Die besten Qualitäten kommen aus der Region Yame (Fukuoka-ken), die Methode wird aber auch um Uji und Shizuoka verwendet. Diese Art Tee trinkt man bei deutlich niedrigeren Temperaturen (50–60 °C, Spitzensorten sogar bei nur 40 °C, aber vorgewärmter Kanne; dafür darf er neunzig statt sechzig Sekunden ziehen. Verwendet werden, vergleichsweise viel, 6–10 g Blätter pro 180 ml.) als normalen Sencha.

koreanische teezeremonie

Vom Imjin-Krieg, mehrere japanische Invasionen Koreas zwichen 1592 und 1598 (jap. (文禄・慶長の役, Bunroku-Keichō no eki), wird gessagt, daß er vor allem um Keramik geführt wurde, militärisch war es nämlich eines der sinnloseren Unternehmen der Geschichte. Etliche von Liebhabern heute noch hochgeschätzte Teetassen wurden als Beute nach Japan gebracht. Angesichts der Tatsache, daß koreanischer Buddhismus fast nur in Form des Rinzai ( sŏn) existiert und die Halbinsel 1905/10-45 unter japanischer Verwaltung stand, muß es nicht überraschen, daß es auch eine koreanische Teezeremonie (茶禮) gibt, die hier nur am Rande erwähnt werden kann.
Das deutlich kühlere Klima wirkt sich auf den Teeanbau aus, die erste Ernte ist um den Frühlingsanfang.

Am Hof der konfuzianisch geprägten Chosŏn-Dynastie wurde Teezeremonie erstmals 1474 als eines der fünf nationalen Rituale (國朝五禮儀) formalisiert. Teeanbau und -genuß ging in 16 Jahrhundert zurück. Der koreanische Mönch Cho’ui verfaßte 1830 die Anleitung Dashinjeon (다신전; 茶神傳), welche die meditativen Aspekte mit herausarbeitet. Das Prozedere ist weniger verfeinert als in Japan, man bevorzugt Utensilien aus Keramik. Veranstaltet werden Teezeremonien gerne zu Geburts- und Jahrestagen (auch Totengedenken). Im Sommer verwendet man Katade-Tassen, rund 5 cm hoch mit zwölf Zentimentern Durchmesser oben; im Winter engere, höhere Irabo-Tassen. Das verwendete gute Wasser zum Aufbrühen des vergleichsweise großblättrigen Tees ist für Pflückungen der frühen Saison (April) 60–65 °C heiß, für die späte Juni-Ernte zehn Grad heißer. Pulverisierter Tee, analog dem japanischen matcha ist nur in buddhistischen Kreisen wirklich beliebt. Eine sicherlich japanisch inspirierte Anleitung ist Korean Way of Tea. (Hyoam 효암 선생; Brother Anthony; Seoul 2011; ISBN 9788991913172)