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茶道掛物禅語道譯
Zen-Worte im Tee-Raume

Zen-Worte im Tee-Raume
Vorbemerkung und Einführung zur Übersetzung von Hermann Bohner

Inhalt


Vorbemerkung

Beim Tee ist es nicht anders: Der Tee ist letztlich ein Werkzeug (dōgu), den WEG (Tao) zu üben.
床の間
Tokonoma (床の間) mit kakemono

Das vorliegende Buch ist betitelt mit Zen-Worte im Tee-Raume. Das mag für diejenigen, die mit der Teezeremonie nicht allzu vertraut sind, erkärungsbedürftig sein. Die „Zen-Worte“ Bohners beziehen sich auf die Schriftrolle mit Kalligraphie, die im Teeraum in der dafür vorgesehen Nische Tokonoma (床の間. Im altjapanischen Haus, Bettstatt als Ehrenplatz freigehalten für eventuell besuchende Gottheiten oder den Tennō, ggf. auch den Hausvater. Da Besuche der „himmlischen Majestäten“ relativ selten vorkommen, im Laufe der Jahrhunderte immer kleiner werdend und als Bildnische, oft mit Blumenarragement – Ikebana – darin. Heutzutage sitzt der geehrte Gast davor.) aufgehängt sind, und die vom Tee-Meister (cha’jin) der Jahreszeit und dem Anlaß gemäß gewählt und gewechselt wird. Diese „Zen-Worte“ sind natürlich auch immer Kōans (Sinnsprüche zur Meditation, die sich meist nicht logisch erschließen lassen. Diese „öffentlichen Aushänge“ – so die wörtliche Übersetzung der zugrundeliegenden Schriftzeichen (公案) – dienen als Übungen des Zen-Lernenden, besonders innerhalb der Rinzai-Schule.) und haben einen meditativen (Zen-)Hintergrund. Dies insbesonders, da Stille bei der Teezeremonie oberstes Gebot ist. Bohner hat mit seinem Ausdruck „Zen-Worte“ die Doppeldeutigkeit perfekt beschrieben. Der japanische Titel des Originals liesse sich auch viel nüchterner mit „Die Schriftrollen im Teeraum – Bedeutung der Zen-Terminologie“ wiedergeben. Hermann Bohner war, etwas zum Leidwesen seiner Frau, ein Liebhaber und Sammler von kakemono (掛物). Wie aus dem einleitenden Zitat erkennbar, handelt es sich bei diesem Buch um ein Werk, daß mehr mit Zen als mit der Bereitung von Tee befaßt ist. Die Anzahl von sechzig, der durch Akaji ausgewählten Sinnsprüche, ist eine bedeutungsvolle Zahl: Im ostasiatischen Kulturkreis gilt das Durchleben von den fünfmal zwölf Jahren des chinesischen Kalenders als ein voller Lebenszyklus.

Neujahrstee
Der Patriarch der Urasenke-Schule bei der Bereitung des ersten Tees (wakacha) vor Sonnenaufgang am Neujahrsmorgen.

Zur Bedeutung bezw. dem Wert solcher „öffentlicher Aushänge“ (Kōans) gibt es, innerhalb des Rinzai-Zen (aus dem die Teezeremonie hervorgegangen ist), zwei grundlegend divergierende Ansichten. Einmal Suzuki Daisetz, der den Widerspruch zu jeder Vernunft propagiert. Zweitens Ruth Fuller-Sasaki die deren „Sinnfülle“ behauptet.1

Wenn heute im Westen von Zen die Rede ist, wird fast immer der Rinzai-Zen gemeint, da die meisten bekannten Vertreter (besonders Suzuki Daisetz) dieser Schule und ihren Methoden anhängen. Der Rinzai-Zen legt großen Wert auf das Studium und „Erfasssen“ von Kōans. Novizen und Mönche müssen eine Reihe von Kōans meistern. Um festzustellen, ob dies tatsächlich gelungen ist, wird dem Studierenden aufgegeben, ein, für den entsprechenden Kōan passendes Schlüsselwort (jakugo), zu finden. Je nach Tempelzugehörigkeit ist die Reihenfolge der zu meisternden Kōans samt zugehöriger jakugo festgelegt. Im Laufe der Jahrhunderte ist dieser „Lehrplan“ regelrecht versteinert. Dies zeigt sich auch im vorliegenden Werk. Es besteht im wesentlichen aus Sprüchen der Altvorderen, die für eine allgemeine Leserschaft erläutert werden, eine eigenständige Interpretation oder Weiterentwicklung findet jedoch nicht statt. Auch darf nicht vergessen werden, daß die ganze Palette „asiatischer Verinnerung“ (z.B. Zen aber auch Blumenstecken, Bogenschießen usw.) in Japan immer der Erhaltung des Systems gilt, nicht dessen Veränderung. Wenn japanische Ministerialbürokraten, Manager und Studenten sich in ein Zen-Zentrum begeben, erwartet sie eine andere „Kur“ als den Gast-Hippie oder Alternativen.2 In Japan ist das Ziel eine klinische Säuberung der Seele vom Wildwuchs aufkeimender Eigenwilligkeit. „Der Nagel, der herausragt, wird hineingeschlagen“ (出る釘は打 ( [でるくぎはう] )たれる), ist ein häufig zitiertes Sprichwort. Die zweite bedeutende Zen-Schule, die auf Dōgen Zenji zurückgehende Sōtō legt dagegen deutlich größeren Wert auf angewandte Meditation, ist dabei hinsichtlich der Körperhaltung so streng, daß sie damit jedem preußischen Feldwebel die hellste Freude machen könnte.

Die Tee-Zeremonie, die ihre Wurzeln im Rinzai-Zen des 14. Jahrhunderts hat, geht auf verschiedene „Erschaffer“ zurück. Die Familie der heute noch dominierenden Linie (in der 16. Generation) der (formalisierten) Teezeremonie, Sen Rikyū hat im Rahmen der Urasenke-Foundation, dessen ursprüngliches Teehaus (Konnichian) samt Garten in Kioto zugänglich gemacht. Für detaillierte Informationen zum Chadō wäre diese Stiftung, die inzwischen auch mehrere internationale Ableger hat, der geeignete Ansprechpartner. Auf dem Gelände in Kioto besteht auch eine spezialisierte Chadō-Bibliothek (nur japanisch).
Zur Aufhellung der Hintergründe für Leser, die mit dem Thema nicht vertraut sind, ist dieser Website ein Anhang mit » Biographien und Literaturhinweisen beigegeben.

Zur Übersetzung des Begriffes cha-dō als „Teezeremonie: »Wie schon aus den genannten Buchtiteln zu ersehen ist, werden im Japanischen für unseren Begriff Teezeremonie Ausdrücke wie Chado, manchmal auch Sa-do, beides im Sinne von Tee-Weg, oder Cha-no-yu, was einfach heißes Wasser für den Tee bedeutet, benützt. Wörter wie Shiki-ten, ... -shiki, oder Gi-shiki, mit denen im Japanischen der Begriff Zeremonie umschrieben wird, werden in der Japanischen Sprache im Zusammenhang mit der Teezeremonie nicht gebraucht. In der normalen Konversation benützt man dafür nur O-cha, was schlicht und einfach Tee bedeutet, wobei das Präfix O als ein im heutigen Japanisch im genannten Falle schon zur Vorsilbe gewordenes, verblaßtes Honorifikum zu verstehen ist.«

Von der Teezeremonie (cha no yu) zu unterscheiden sind größere Zusammenkünfte chaseki, bei denen – oft in Restaurants bzw. Teehäusern – in geselliger, mehr oder weniger zwangloser Runde zusammengekommen wurde.

1) a) Suzuki, D. T.; Essays on Zen Buddhism; 1933, Vol. 2 [dt.: Der Weg zur Erleuchtung; Baden-Baden 1957] – Suzuki Daisetz ist nicht zu verwechseln mit Suzuki Shunryu (1905–71), der der Sōtō-Schule angehōrte.
b) Miura Isshū; Fuller-Sasaki, Ruth; Zen Dust; New York 1966 [ ▲ ]
2) i.S.d. Begriffes um 1980, bevor diese beim „Marsch durch die Instituionen“ – bestens sichtbar am Fischer Jockel – vollkommen von der Burgeoisie korrumpiert wurden. [ ▲ ]


» Ablauf einer Teezeremonie und » Verhaltensregeln

„Aji“

Zur Rezeption der japanischen „Kultur“ und dem speziell japanischen „Geschmack“ (Aji), hat Lilly Abegg in ihrem Buch Yamato 1936 – auch heute noch zutreffend – folgendes festgestellt:

Die altjapanische Kultur besaß unübertreffliche Werte, ja sie war in gewisser Hinsicht vollkommen. Heute wird sich Japan seiner östlichen Besonderheiten immer stärker bewußt und ist bereits sehr tätig, kulturelle Propaganda zu treiben. Der Wille zur Kulturausbreitung ist imperialistisch. Dieser neue, erst werdende Kultur-Imperialismus ist ebenso ernst zu nehmen wie der militärische Eroberer- und der Wirtschafts-Imperialismus, über die man vor zwanzig Jahren noch gelächelt hat. … Das Alte geht unter – das Neue ist Ausdruck zivilisatorische Häßlichkeit. Kein Wunder, daß Japan ausschließlich auf sein kulturelles Erbe zurückgreifen muß, um der Welt etwas bieten zu können. Dies Verfahren hat den Nachteil, daß es Zweifel und Mißtrauen weckt – denn mas nützt es, die Teezeremonie oder die Kunst des Blumen-Arrangments zu preisen und vorzuführen, wenn der Fremde genau weiß, daß der heutige Japaner weder Zeit noch Sinn mehr dafür hat und daß sein kultureller Allgemeinbesitz allmählich zur Fähigkeit einiger Fachleute herabgesunken ist? Aber gerade diese Vorführung überlebter Kultur und Künste, die Vortäuschung eines vorhandenen Lebens beweist ein ungeheuren Geltungswillen. Denn das eine kommt den Japanern immer deutlicher zum Bewußtsein: der grundsätzliche Unterschied zwischen ihrer Geisteswelt und unseren.

In der Wertschätzung der beim Teekult gebrauchten Dinge prägt sich der Unterschied zwischen japanischer und fremder Kunstauffassung besonders scharf aus, ein Unterschied, der in demselben Sinne für die Bewertung von Kunstgegenständen auf allen Gebieten gilt. Die Japaner behaupten, die Urteilsbildung des Europäers erfolge stets auf mehr oder weniger „wissenschaftlichem“ Weg, während sie selbst sich von dem Gefühl leiten ließen, also auf dem Standpunkt stünden, „man sähe es einem Kunstgegenstand doch an, ob er schön sei oder nicht“.

Das ist nicht ganz richtig; denn was der Japaner „aji“, auf deutsch etwa „Geschmack“ nennt, ist nicht nur von dem reinen Kunstgefühl abhängig. Allerdings wird der japanische Kunstsachverständige keine Lupe nehmen, den Gegenstand von hinten und vorne mit sachlich-wissenschaftlichen Augen betrachten, genau die Entstehungszeit feststellen und dann etwa dem Verkäufer mitteilen, seine Annahme sei falsch, der Gegenstand sei hundert Jahre jünger, als er annehme, und daher höchstens die Hälfte wert. Es kommt ihm weder auf diese hundert Jahre noch auf die Frage an, ob der Gegenstand von dem berühmten Meister ist oder von seinem Schüler; es kommt vielmehr darauf an, ob er „aji“ besitzt oder nicht.

Chawan
Chawan (alt und neu)

Aji hängt nicht nur von der Art des Kunstwerks selbst ab, sondern auch von seiner Geschichte, das heißt von den historischen Begebenheiten, die es „erlebt“ hat, und von der Art, wie es behandelt wurde. Die Japaner sehen es einem Gegenstand an, ob er liebevoll, richtig, falsch oder nachlässig behandelt worden ist. Ist er richtig behandelt worden, dann hat er Aji. Wenn eine Bronzestatue das Unglück gehabt hat, in die Hände eines neureichen Barbaren zu geraten, und wenn dieser versucht hat, etwa durch unsachgemäßes Polieren den Glanz der Bronze zu erhöhen, dann ist sie verdorben, dann hat sie kein Aji. Einem alten Lackkasten kann man es besonders gut ansehen, ob er liebevoll und seinem Material entsprechend behandelt oder in nachlässiger Weise zerkratzt worden ist. Aji hat ein Gegenstand, wenn er jene unerklärliche Patina besitzt, die beweist, daß er sich Generationen hindurch in einer angemessenen Umgebung bei stilvollen Menschen befand und niemals entweiht wurde.

Bei der Bestimmung des Aji geht man nicht nur von dem einfachen Betrachten und Befühlen des Gegenstandes aus, sondern auch davon, was von seiner Geschichte tatsächlich bekannt ist. Er kann zu früheren Kriegen, großen Feldherren, Liebesangelegenheiten, Unglücken und Familiengeschichten der Vorfahren Beziehungen haben. Aus dem Zusammenspiel von Geschichtskenntnis und Familiengefühl, von Herstellungsart und heutiger Beschaffenheit des Gegenstandes ergibt sich dann das Aji.

In früherer Zeit waren ziemlich einfache glasierte Teetassen aus Korea, von denen zuerst der Feldherr Hideyoshi welche mitgebracht hatte, die beliebtesten und begehrtesten für die Teezeremonie. Es wurden Vermögen für diese Tassen bezahlt. Nach der Wiedereroberung Koreas durch die Japaner veranstalteten aber moderne Wissenschaftler dort Ausgrabungen und entdeckten altkoreanische Brennereien, in denen sie Wagenladungen von Teeschalen vorfanden, die ebenso beschaffen waren wie die in Japan berühmten, kostbaren Schalen. Es wurde einwandfrei festgestellt, daß die [1936] 10 000-Mark-Schalen aus denselben Brennereien und aus derselben Zeit stammten. Die japanischen Kunsthändler, beeinflußt von der Kunstwissenschaft des Westens, bekamen einen gewaltigen Schrecken. Die Preise fielen. Aber allmählich beruhigte man sich und besann sich wieder. Man betrachtete die neuaufgefundenen Tassen und entdeckte, daß sie kein Aji hatten. Der Unterschied zwischen einer Teeschale, die seit Generationen beim Teekult benützt worden war, und einer Schale, die seit Jahrhunderten einsam in der Erde geschlummert hatte, war unverkennbar. Was für Empfindungen konnte schließlich so eine neuentdeckte Schale erwecken? Es fehlten alle trauten und innigen Beziehungen, die man durch die Teeschale zu der Vergangenheit hatte. Die Preise der alten Schalen kletterten wieder und erreichten ihre frühere Höhe. Man ließ sich nicht von dem Sinn seiner Kunst abbringen.

Wabi

Stil der Tee-Räume

Im 15. Jahrhundert änderte sich der hauptstädtische Baustil. Mehr und mehr wurden zuerst die Wohnungen der Mönche, dann die der Krieger im sog. Shoin-Stil gebaut, d.h. die Häuser als ganzes erhielten einen besonders ausgestalteten, überdachten Eingang, Genkan genannt, und in den Repräsentations-Zimmern wurde eine Bildnische, Tokonoma genannt, ein mehrstufiges Wandbrett mit eingebauten Schränkchen, Chigai-dana genannt, und ein besonderes Erkerfenster nach dem der neue Stil benannt ist, Shoin, eingebaut. In derartige Räume wurden nach und nach die Teeversammlungen verlegt. Um die endgültige Grundform der heutigen Teezeremonie heraus zu kristallisieren, waren aber noch eine besondere Persönlichkeit und ein neues Gerät notwendig.
Schöpfer dieser Form war Noami (1397–1471). Er nahm beim sechsten Ashikaga-Shōgun Yoshinori die Stellung eines Dōbō ein. Dōbō bedeutet soviel, wie „Helfer in Kunstsachen.“ Sein Beitrag bestand in der sinngemäßen, auf tiefgründigen Kunststudien beruhenden maßvollen Ausgestaltung und Ausschmückung des neu in Verwendung gekommenen Tee-Raumes. Sie ist abgesehen davon, daß sie die Ausgestaltung der Adelswohnungen bis zum Ende der Edo-Zeit bestimmte, auch heute noch für die feierlichsten und festlichsten Formen der Teezeremonie – wenn auch in leicht abgewandelter und vereinfachter Form – gültig. Daraus ist dann, als letzte Vereinfachung das weltbekannte, sog. Tee-Zimmer, (jap. chachitsu), genauer Koma genannt, entstanden.
Die entscheidende Ergänzung zu dieser neuartigen Raumausstattung bildete das Gerät oder vielmehr der Gerätsatz, der nunmehr für die Teebereitung festgelegt wurde. Er heißt Daisu, bzw. Daisu-kazari, ein zwei- bzw. vierbeiniger Tisch mit einer oberen und unteren Platte, aus verschieden lackiertem Holz oder Bambus, der in zehn verschiedenen Formen überliefert ist; auf seinen beiden Platten werden die für die Teebereitung notwendigen Geräte aufgebaut. Das Daisu-Gerät hatte zuerst der Zenmeister Nambo Shomyo 1267 aus China mitgebracht und es wurde in den Tempeln zuerst für buddhistische Tee-Opferzeremonien verwandt.
Die endgültige Ausformung und prägnante Sinngebung erhielt die Teezeremonie durch Murata Shūko (1423–1502) und den Teemeister Takeno Jō’ō (1502–1555; 武野紹鴎). Erst zu Jō’ōs Zeit wurden Blumen im Teeraum benutzt, dabei hielt er eine einzige für ausreichend. Ebenso auf ihn gehen die kleinen (ca. 16 m²) Teehaus-Gärten und die tsuchikabe, mit Lehm verputze Wände, zurück. Das Werk seiner Lehrer wurde von Sen-no-Rikyū (1522–1591) zur letzten Vollendung gebracht. Die beiden letzgenannten experimentierten auch mit kleineren Tee-Räumen, statt 4½, nur noch mit 3 Tatami. Rikyū bevorzugte im letzen Lebensjahrzehnt gar 2-mattige Räume (3¼ m²), wovon man in den nachfolgenden Generationen wieder abkam. Furuta Oribe (1544–1615; 古田織部) führte den Wechsel zwischen kusari no ma und dem Teeraum ein. Gerätschaften, die er verwendete, waren innovativ. Er ließ völlig andere Geräte als bisher produzieren: Die auch heutzutage beliebte Kutsugata‐Chawan, die „schuhförmige“ Teeschale, ist ein Beispiel dafür. Sein Schüler Ueda Sōko (zeitg. Biographie: Sōko Ōden, 宗箇翁伝) baute kurz nach seiner Ankunft in Hiroshima 1615 einen 4¾ Tatami großen Teeraum, der durch elf Fenster sehr hell war. Mit Honami Koetsu († 1637) begann die Mode der selbstgefertigten Teetassen (Rakuyaki-Stil).

Der japanische Geschmack für die Überschwenglichkeit der glänzenden Farben und die Pracht der prunkvollen Dekoration erreichte einen zweiten Höhepunkt in der Momoyama-Periode (1573–1615), der Zeit von Rikyū’s Wirken. Zu dieser Zeit vervollkommnete er die „Kunst des Tees“ (wabi-cha) seines Lehrers Jō’ō (1502–55) – also die Kunst des Tees, die sich auf den Geist des wabi (Subtilen) stützt und davon erfüllt ist.

Wabi ist ein schwer zu definierender Begriff, der mit den drei konstituierenden Grundelementen Einsamkeit, Armut und Einfachheit in etwa umrissen werden kann. Dabei ist der erste Faktor „Einsamkeit“ (d.h. Leben fern des Staubes und Lärmes mondänen Lebens), metaphysisch zu verstehen. „Armut“ (arm sein), bezieht sich auf die Abwesenheit verzierter Dinge. Diese materielle Armut muß ein natürlicher Ausdruck geistiger Armut sein, die zum metaphysischen Bewußtsein der ewigen Leere (śūnyatā) sublimiert worden ist. Sonst ist wäre Armut nichts als Mittellosigkeit, die keine ästhetische Empfindung vermitteln kann. Der dritte Faktor „Einfachheit“ ist eng mit den beiden anderen verbunden. Der Tee-Raum im von Rikyū geschaffenen Stil, der von ihm ursprünglich zur Schaffung der Kunst des „wabi“ vorgesehen war, ist nur eine aufs einfachste eingerichtete schmale Hütte, die allerhöchstens fünf Personen Platz bietet. Es fehlen fast alle Gegenstände, die Farben sind einfach, um nicht zu sagen dürftig bezw. trostlos. Ziel ist es „die Farbe zu töten (Auf die doppelte Bedeutung von , wörtlich: „Farbe“ „Form“ und ihren tieferen Hintergrund im Zen [vgl. 色界, rūpadhūta „Welt der Form(en),“ im Ggs. zu 無色界, „Welt ohne Form“ (Leere) kann hier nicht eingegangen werden.).“

Etwas anders betrachtet: »Was nun im allgemeinen von der Teezeremonie bekannt ist, ist unter japanischen Begriff Wabi-Cha zusammenzufassen. Der Begriff ist aus dem Worte Cha, Tee, bzw. im genannten Falle Teezeremonie und dem praktisch unüberesetzbaren Ausdruck Wabi gebildet. In seinem kürzlich erschienen Werk “The Tea Ceremony” (Tanaka Senō;The Tea Ceremony; Tokyo u.a. 1973 (Kodansha International), New York 1977 (Harmony Books) schreibt Sen-O Tanaka: “The literal translation of wabi is apology, with an added sense of worry, although the wordthe idea of simplicity as well …“ und an anderer Stelle: “The meaning of abi underwent a change during the Edo period, when more stress was on the ideas of simplicity alone, without tranquillity or solitude to complete meaning …“ Der 1960 verstorbene Teemeister Sen-Sho Tanaka hat im Buch „Tee und Mensch” (Cha to Hito) Wabi nicht als eine Art Verzicht, sondern als „das G1ück,sich mit den Dingen, sowie sind eins zu wissen.“
Eine Vorstellung, die selbst japanischen Fachleuten, die aus ihr heraus zu leben gedenken, in Worte zu fassen, große Schwierigkeiten bereitet. Um so nachhaltiger hat sie aber vieles, was mit Teezeremonie zu tun hat, durch Jahrhunderte hindurch durchweht und zum Teil entscheidend mitgeformt. Obwohl Hilfe dieses Schlüssels nur ein Teil der gesamten Erscheinung enträtselt werden kann, so hat doch in guter Kenntnis der Probleme europäischen Verständnisses, der erste Japaner, der dieses Kulturgut dem Westen verständlich machen wollte, Okakura Kakuzo, gen. Tenshin, in seinem “The Book of Tea” Wabi eine Zentralstellung in seiner Betrachtung eingeräumt. Er definiert folgendermaßen: “Teaism is a cult founded on the adoration of the beautiful among the sordid facts of everyday existence.”«

Vorauszuschicken ist Bohners letzte Fußnote (ursprünglich nach Kōan 60): Abschließend sei bemerkt, daß in der Aussprache- und Leseweise der Kōan den persönlich gegebenen Angaben des japanischen Verfassers des Buches gefolgt worden ist. Was das Auffinden von Textstellen in anderen Quellen nicht unbedingt erleichtert. Viele der Sprüche Sōtei Akaji’s sind Zitate aus dem Zenrin Kushū, einer Anthologie von etwa 5-6000 Zen-Sinnsprüchen (geordnet nach Zahl ihrer Kanji), die 1688 erstmals unter diesem Titel erschienen ist (Hrsg.: Ijushi), jedoch in Manuskriptform auf Tōyō Eichō (1429–1504) zurückgeht und nicht nur Kōans sondern auch Zitate aus der klassischen chinesischen, taoistischen und konfuzianischen Literatur heranzieht. Soweit Quellen gefunden wurden, sind teilweise weiterführende Anmerkungen am Ende des entsprechenden Kōan für die Webpräsentation angefügt.

Einige weitere japanische Werke, die sich mit Sinnsprüchen bei der Tee-Zeremonie beschäftigen:
1; Zengokushō; Tōkyō 1982 (Hekian Shūdō) [„Zen-Worte mit Anmerkungen“];
2; Haga Koshirō; Ichigyōmono Tōkyō 1973-84, 4 Bde. [„Schriftrollen-Einzeiler“];
3; Nishibe Bunjō; Zengo no ajiwaikata; Tōkyō 1985 [„Wie man Zen-Worte schmeckt/genießt“]

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Bibliographische Nachweise

Druckvermerk
Japanischer Druckvermerk und Impressum von »Zen-Worte im Tee-Raume« (1943)

Das japanische Original findet sich in:

Akaji Sōtei; 茶道掛物禅語道訳 Chashitsu-kakemono Zengo-Tsūkai, 64 S.

  • Nummern der japanischen Nationalbiographie: 43013754, 44040619
  • 1917 [Taishō 6]: NDL 327-932
  • 1929 [Shōwa 3], 87S: NDL Toku 259-591

Versionsgeschichte

Druck

  • Akaji Sōtei; 茶道掛物禅語道訳 Chashitsu-kakemono Zengo-Tsūkai
    • 1.0: 1917 [Taishō 6], 64 S.
    • 1.1: 1929 [Shōwa 3], 87 S.
  • Akaji, Sōtei; Zen-Worte im Tee-Raume erläutert (Chashitsu-kakemono Zengo-Tsūkai) Einführung und Übersetzung von Hermann Bohner; Sert.: Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens; Suppl. XX
    • 2.1.A: Tōkyō (Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens);
    • 2.1.B: Leipzig (Kommissionsverlag von O. Harrassowitz 1943), 116 S., 24 cm;
    • 2.2: „Neubearbeitung“ von Heinz Morioka: Sotei Akaji, Hermann Bohner; Zen-Worte im Tee-Raume; München 2007 (iudicium); ISBN 978-3-89129-199-3, € 10
      „Um die erläuternden Anmerkungen Hermann Bohners gekürzt, dadurch teilweise sinnentstellend. Enttäuschende Arbeit ohne Illustrationen, an der nur der erträgliche Preis gefällt.“

Online

  • 3.1.: April-Juni 2006: Unverändert: » Hier.
  • 3.2.: Februar 2008: Mit neuer Benutzerführung, verbesserter Lesbarkeit, korrigierten Schreibfehlern insbesondere im japanischen Text. Umarbeitung des Abschnitts » Biographien und allgemein moderneres Webdesign.
  • 3.2.2.: .pdf-Dateien der neuen Version zum download. Kleinere Modifikationen August 2009: verbesserte Zugänglichkeit. Nachdem der Webspace von freenet.de kostenpflichtig wird, Umzug auf bplaced.net.
  • April 2011: Umzug von bplaced.net nach zenwort.lima-city.de/zenwort wegen extrem schlechter uptime bei Ersterem.
  • 5beta.1: Juni 2011 (teilweise Umarbeitung des Quellcodes auf HTML5 – deswegen „Version 5,“ (v. 4 gibt es nicht) „beta“ weil der W3C-Standard noch nicht offiziell ist, Validierung schwierig. Kleinere Fehlerkorrrekturen im Text. Weitergehende Trennung zwischen Text und Anmerkungen, durch vermehrten Gebrauch der „Walter Zorn ToolTips.“ Verbesserung der Lesbarkeit bei Farbenblindheit. Ansatzweise WAI-ARIA role-Attribute eingefügt.)
  • 5.2: Dez. 2012: Weitergehende Umstellung auf HTML5/CSS3, dabei blieb von kosmetischen Änderungen (der Tatamiya-san hat sich um die Matte im Hintergrund gekümmert) allgemeine Design fast unverändert. Besonders zu Literaturhinweisen wurde Markup der schema.org hinzugefügt. Kleinere textliche Änderungen erfuhr der Abschnitt Biographien, der Beschreibung der Teezeremonie wurde noch die Überssetzung der Regeln beigegeben.

Japanisch (Kanji): Der Ersteller dieser Seite ist technischer Fachübersetzer für Japanisch und kann die von Bohner in seiner Einleitung gemachten Anmerkungen hinsichtlich Schwierigkeiten der Übertragung gut nachvollziehen. Heutzutage kommt noch erschwerend hinzu, daß die japanische Schrift 1948 vereinfacht wurde. Somit wird eine Vielzahl der Zeichen (gerade mit buddhistischem Bezug) nurmehr durch Nachschlagen verständlich.

Webdesign: Um das Buch Internet-gerecht darstellen zu können, wurde die Seitenfolge des Originals nicht beibehalten, sondern die Koans in Zehnergruppen zusammengefaßt. Dadurch wurde es nötig, Bohners Fußnoten umzunumerieren. Sie finden sich weiterhin am Ende des jeweiligen Koans, sind innerhalb der jeweiligen Zehnergruppe durchlaufend mit a, b, c … (alpahabetisch) gekennzeichnet. Vom Webseitengestallter hinzugefügte Zwischenbemerkungen und Fußnoten erscheinen dergestalt und sind numeriert [1, 2, 3 …] All dies ohne sinnentstellend zu sein. Zitate aus mehrfach verwendeten Werken Dritter heben sich ebenfalls farblich ab siehe » Einzelheiten dazu.
Das Original-Inhaltverszeichnis (S. 113-16) liegt auch gescannt vor. Es kann über die Bilder im » Inhaltsverzeichnis aufgerufen werden.
Die japanischen Überschriften der Leitsprüche (Kōan) wurden als Bild eingearbeitet. Mangels japanischer OCR-Software wurden die Kanji im Text mittels der freien Software JWPce von Glenn Rosenthal neu geschrieben. Seit 2008 kommt hierbei skim, Teil des KDE-Pakets zum Einsatz. Abweichend von Bohners Original werden oft vereinfachte (Tōyō)-Kanji verwendet. Die deutsche Rechtschreibung folgt (von Tipfehlern [sic] abgesehen) der 20. Auflage des Duden (ISO-Sprachcode: „de-DE-1901“).

An einigen Stellen im Text wurden für die Website Abbildungen von kakemono oder Tee-Geräten eingefügt. Diese haben nicht immer direkten Bezug zum jeweiligen Kōans, sondern sollen zum allgemeinen Verständnis beitragen. Bohners Original enthielt keine Bilder.

Beim Erstellen dieser Seite wurde versucht, den Text so originalgetreu wie möglich wiederzugeben. Jedoch wurden offensichtliche Druckfehler stillschweigend verbessert. Am Wortanfang aufgelöste Umlaute wie Ae sind durch Ä dargestellt. Weiterhin wurde der circumflex konsequent durch den macron ersetzt, um den langen japanischen Vokal darzustellen (z.B.: ô zu ō). Wo im Text der japanische Objektanzeiger wo [を] vorkam, wurde dieser durch o wiedergegeben.

Vereinzelt konnten im Text gesetzte Kanji (japanische Schriftzeichen) nicht wiedergeben werden. Auch wurden Bohners Fußnoten, sofern sie nur Kanji enthielten, im Text an den entsprechenden Stellen eingefügt. In der Version 2 von 2008 wurden diese Zeichen mittels einer JavaScript Funktion aus dem Fließtext herausgenommen, wodurch die Lesbarkeit sich verbessert. Solche Abschnitte mit versteckter Information sind so dargestellt [Dies ist die versteckte Zusatzinformation]. Durch Überfahren mit der Maus wird der zusätzliche Text sichtbar – Ein Klick läßt ihn wieder verschwinden. (Bedauerlicherweise kann diese Funktion bei älteren und nicht standardkonformen Browsern, dazu führen, daß die Seite wiederholt geladen wird, bezw. ein Flackern auftritt. Die kann durch Abschalten von JavaScript (Wie geht das?) vermieden werden, die Zusatzinformation erscheint dann im Fließtext. Alternativ steht weiterhin die unkorrigierte » Version von 2006 als Archiv zur Verfügung.

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